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14.12.2016, 20:32

Wolf und eine Fabel von den Nativs

Mit den Augen eines Wolfes

Seit den Zeiten, als nur Sonne und Mond uns Licht gaben, kannte ich dich. Aus den riesigen und undurchddrinlichen Wädern heraus beobachtete ich dich. Ich war Zeuge, als du das Feuer bändigtest und fremdartige neue Werkzeuge machtest. Von den Kämmen der Hügel und Berge aus sah ich dich jagen und beneidete dich um deine Jagderfolge.
Ich frass deine Beutereste und du frasst meine Beutereste. Ich lauschte deinen Gesängen und sah deinen Schatten um die hellen Feuer tanzen. In einer Zeit so weit zurück, dass ich mich kaum mehr erinnern kann, schlossen sich einige von uns dir an, um mit dir am Feuer zu sitzen. Sie wurden Mitglieder deines Rudels, jagten mit dir, beschützten deine Welpen, halfen dir, fürchteten dich, liebten dich.
Und für sehr lange Zeit lebten wir so zusammen, denn unsere Wesen waren sich sehr ähnlich. Deshalb hast du die Zahmen von uns adoptiert.
Ich weiss, einige von euch respektieren auch mich, den Wilden. Ich sah dich oft gemeinsam mit den zahmen Beute erlegen. In jenen Zeiten gab es alles im Überfluss. Es gab nur wenige von euch.
Die Wälder waren gross. Wir heulten zusammen mit den Zahmen in der Nacht. Einige von ihnen kehrten zu uns zurück, um mit uns zu jagen. Einige von ihnen frassen wir, denn sie waren uns fremd geworden. So lebten wir zusammen in langen langen Zeiten. Es war ein gutes Leben.
Manchmal stahl ich von deiner Beute und du stahlst von meiner Beute. Erinnerst du dich, wie dein Rudel hungerte als der Schnee hoch lag? Du frasst die Beute, die wir erlegt haben. Das war unser Spiel.
Das was unsere gegenseitige Schuld. Manche nannten es ein Versprechen.Wie viele der zahmen aber wurdest auch du uns immer Fremder. Wir waren uns einst sehr ähnlich, aber jetzt erkenne ich einige der Zahmen nicht mehr und ich erkenne auch einige von euch nicht mehr.
Du machtest auch die Beute zahm. Als ich begann deine zahme Beute zu jagen (es waren dumme Kreaturen, auf die die Jagd keine Herausforderung war, aber die wilde Beute war verschwunden), jagtest du mich und ich verstand nicht, warum.
Als deine Rudel immer grösser wurden und begannen gegeneinander zu kämpfen, sah ich eure grossen Kriege. Ich frass jene, die du erschlagen hattest. Du jagtest mich noch mehr, denn für mich waren sie Nahrung aber du hattest sie getötet. Wir Wilden sind nur noch wenige. Du zerstörtest unsere Wälder und brachtest viele von uns um. Aber ich jage immer noch und füttere meine versteckten Welpen, wie ich es immer getan haben.
Ich frage mich, ob die Zahmen eine weise Wahl trafen, als sie sich euch anschlossen. Sie haben der Geist der Wildnis vergessen. Es gibt viele, viele von ihnen, aber sie sind mir sehr fremd. Wir sind nur noch wenige und ich beobachte dich immer noch, muss dir auszuweichen.

Ich denke, ich kenne dich nicht mehr länger.

Ich der Wolf

2

15.12.2016, 07:05

Merci!
top!!!!!!
Pierre

ohne jäger kein wild /ohne gerber kein leder
ohne färber kein bunter stoff

FeelingCrowWoman

Mitglied des Rates

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Wohnort: Alsace

Beruf: Altenpflege

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3

15.12.2016, 10:21

:thumbup: sehr schöne Geschichte, aus der Sicht des Wolfes und gibt zum nachdenken, danke für's einstellen.

LG

FelingCrowWoman



Die beste Art, Konflikte zu lösen,
besteht darin, dem anderen Verständnis
und Respekt entgegen zubringen

Dalai Lama

4

15.12.2016, 20:03

Heute war gerede wieder ein Aufschrei der Schäfer zu hören das die Wölfe in Brandenburg und anderen Bundesländern wie Niedersachsen abgeknallt werden sollten da diese zuviel Schafe töten würden. ja aber das Wölfe zur Natur gehören ist dann mal wieder vergessen. Es gibt Studien das überall wo Wölfe wieder angesiedelt wurden nachdem man Sie ausgerottet hat der Umwelt zugute kommen sieht keiner. Sicherlich ist hier nicht USA und wir sind viel dichter besiedelt aber man sollte dem Wolf doch wenigstens eine Chance geben, die paar blöden Schafe kann man ersetzen, die Natur nicht !

http://www.geosystem-erde.de/wp-content/…f-Yellow-NP.pdf
LISTEN TO THE ELDERS !
Dad hots fruier nit geweh !

5

15.12.2016, 20:54

Hallo die Runde

Danke

Hallo Tipi,die Schafzüchter leben für die Schafe und lieben ihre ihre Schafe und ihre Arbeit, nicht vergessen,deshalb ist ihr Aufschrei auch so laut.
Was aber interessant ist, das Schafzüchter nicht so laut auf schreien wenn Krähen oder Raben Lämmer verletzten oder sogar töten. Ich habe das selbst mal beobachten dürfen.
Anscheinend ist das weniger bekannt und steht nicht so oft in den Zeitungen und mit Raben kann man keine Ängste schüren. Es sei denn Hitchcock lässt grüßen.
Als Feindbild dient eben der Wolf immer noch sehr gut. Der Wolf ist aber der Feind, sondern unser alt eingessenes Denken.

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