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06.08.2011, 16:30

Der Traum von Shannen Koostachin

Während die Ära der kanadischen Residential Schools im letzten Quartal des 20. Jahrhunderts ihr Ende fand ( die letzte dieser Schulen wurde erst in den 1990 er Jahren geschlossen ) , besteht in Kanada bis zum heutigen Tage ein zweigeteiltes Schulsystem. Durchschnittlich investiert Kanada für einen weißen Schüler jährlich etwa sieben bis neuntausend Dollar.
Für einen Schüler der First Nations wird diese Investition um etwa ein Drittel gekürzt. Diese Einsparungen machen sich auf sehr unterschiedliche Weise bemerkbar…

Zu spüren bekamen dies auch die Schüler einer Grundschule im Norden Ontario`s .
Etwa 970 Kilometer ( Luftlinie ) , nord-nordwestlich von der Stadt Ottawa entfernt, befindet sich der Ort Attawapiskat. Hier, an der James Bay, lebt die Attawaspikat First Nation, Angehörige der Mushkego oder Omushkego Cree. In dieser Kommune wurde einst die JR Nakogee Schule erbaut, wo mehrere hundert Schüler bis zur achten Klasse unterrichtet wurden. In 1979 kam es zu einem Leck in einer Versorgungsleitung unter dieser Schule, wobei etwa 30000 Gallonen Dieselöl das Erdreich unter der Schule kontaminierten. Ungeachtet dessen wurde in dieser Schule weiter unterrichtet. Die Behörden machten keine Untersuchungen auf toxische Auswirkungen. Besonders in den 1990 er Jahren mehrten sich die Krankheitsfälle unter Schülern und Lehrern, aufgrund der Kontaminierung. Im Jahre 2000 wurde die Schule schließlich geschlossen, da viele Eltern ihre Kinder aus der Schule fernhielten, selbst Lehrer verweigerten einen dort stattfindenden Unterricht. Als Ersatz wurden nach und nach alte Wohncontainer , so genannte portables , auf dem Spielplatz der Schule aufgestellt, um darin zu unterrichten. Diese Schulcontainer waren ohne jegliche geeignete Schulausstattung, und sie waren ungeheizt. Die Schüler saßen in den Wintermonaten in ihren Mänteln in den Klassen. Seit dem Jahre 2000 forderte der Stammesrat von den Behörden eine neue Schule. Drei Minister für indianische Angelegenheiten versprachen, eine neue Schule zu errichten, brachen aber ihr Versprechen.
Endlich, in 2007, schien der Weg für eine neue Schule frei zu sein. Als im Spätherbst des gleichen Jahres mit Chuck Strahl ein neuer Minister für indianische Angelegenheiten in das Amt berufen wurde, lehnte dieser den Neubau ab, weil andere Projekte wichtiger wären bzw. weil es in Attawapiskat keine Gesundheits – und Sicherheitsprobleme in der Schule gäbe.
Im März in 2008 ließ Strahl im Toronto Star verlauten, dass er nicht sagen könne, wann eine neue Schule in Attawapiskat gebaut werden würde.

Zu dieser Zeit war Channen Koostachin Schülerin der achten Klasse und dreizehn Jahre alt.
Einige Schüler dieser Klasse hatten einen Ausflug an die Niagara – Fälle geplant. Die Schüler strichen den Ausflug, und nutzten das Geld, Shannen und zwei weitere Schüler nach Ottawa zu schicken, um mit Minister Strahl zu sprechen. Am 28. Mai besuchten die Schüler Strahl in seinem Büro und forderten eine neue Schule von ihm. Shannen beschämte den Minister, als sie ihm sagte, sein Büro sei schöner eingerichtet als ihr Klassenraum. Sie erzählte dem Minister von dem einzigen Waschraum in den acht Portables für etwa vierhundert Schüler, von den undichten Türen und Fenstern, davon, dass auch der Boden unter diesen Portables kontaminiert sei und besonders im Winter viele Kinder erkrankten. Minister Strahl verstrickte sich bei diesem Besuch in vielen Ausflüchten. Ab diesem Zeitpunkt wurde Shannen zu einer unermüdlichen Kämpferin für eine neue Schule in Attawapiskat, gleichzeitig kämpfte sie jedoch für die Bildungs – Gleichberechtigung aller kanadischen First Nation Kids. Shannen nutzte die Waffen der Moderne, um ihr Ziel zu erreichen, das Internet, Konferenzen, Tagungen, Aktionstage und vieles Andere. Ihr Wirken war so beeindruckend, dass sie sogar für den Internationalen Friedenspreis für Kinder nominiert wurde. Ihr Engagement wurde zum Ende des Jahres 2009 gekrönt, als die kanadische Regierung beschloss, eine neue Schule in Attawapiskat zu bauen. Die Schule soll in 2012 fertig gestellt werden. Shannen Koostachin hatte auch für ihr Leben einiges geplant, sie wollte Anwältin werden. Aus diesem Grunde verzog sie nach New Liskeard, Ontario. Was hätte dieses couragierte, junge Mädchen alles in ihrem Leben erreichen können, aber das Schicksal ist nur zu oft sehr hart. Shannen Koostachin war Insassin in einem Minivan, als dieses Fahrzeug am 31.Mai in 2010 mit einem LKW kollidierte. Dabei verlor die Fahrzeugführerin und Shannen ihr Leben. Shannen Koostachin verstarb im Alter von nur fünfzehn Jahren.

„Schule sollte eine Zeit für Träume sein – jedes Kind verdient das“ Shannen Koostachin


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07.08.2011, 22:12

Hallo Morning Star,

danke schön für das Thema, war interessant zu lesen und ist traurig für das so kurze Leben hier auf Erden von Shannen Koostachin.

Hier ein Brief von 2008 den sie schrieb

http://www.fncfcs.com/sites/default/file…nens-letter.pdf

http://www.youtube.com/watch?v=GcgWXdp0U1E

LG
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kleiner Wolf

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08.08.2011, 12:45

Manche erreichen in nur wenigen Lebensjahren eine Größe an die andere nicht herankommen selbst wenn sie 100 würden...

Kiowa_Reenactor

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4

08.08.2011, 13:32

kleiner wolf
sehe ich genauso.

ich sehe jetzt nicht die regierung allein in canada,eher weltweit,alles redet von bildung aber tun...tun sie nix. ich möchte garnicht soweit ausholen da es eh nur die ewiger maulerei wird gegen die politik und gegen die leute die sie machen. ich hoffe nur das nachkommende generationen es leichter haben werden

le loup

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08.08.2011, 14:42

Hi Kio!

Da haste wirklich den Nagel auf den Kopf getroffen.
Maulerei und Proteste nutzen da garnix. Wenigstens unsere Generation wird das noch ertragen müssen, vielleicht wird unsere Jugend da schlauer reagieren. Habe aber wenig Hoffnung, denn es war schon immer so, dass die Oberen abkassiert haben und der sogenannte kleine Mann immer ums Überleben kämpfen musste,

Gruss LE LOUP
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08.08.2011, 21:17

Fahrt nach Ottawa in 2008

Als die abgeordneten Schüler der achten Klasse aus Attawapiskat am 28. Mai 2008 in Ottawa zum Parliament Hill fuhren, dort befinden sich die Gebäude des kanadischen Parlaments, waren sie in Begleitung einiger älterer Personen aus Attawapiskat. Zunächst gab es eine Pressekonferenz, auf welcher die Schüler, unter ihnen Shannen, ihren Wunsch nach einer neuen Schule zum Ausdruck brachten.
Anschließend konfrontierten sie Minister Chuck Strahl in seinem Bürotrakt. Strahl war ziemlich nervös. Nach einem kurzen Gespräch teilte er den Cree mit, dass er kein Geld für eine neue Schule hätte und beendete das Gespräch, da er noch andere Dinge zu tun hätte. Kurz zuvor hatte Shannen Strahl gegenüber geäußert, dass es ihr Traum wäre, ihre jüngeren Geschwister könnten in einer neuen Schule eine bessere Bildung erhalten als sie selbst, eine Schule, die so hübsch eingerichtet wäre wie das Büro von Strahl. Charlie Angus sagte, die Erwachsenen aus Attawapiskat hätten nach diesen Worten Tränen in den Augen gehabt. Beim Verlassen des Büro`s von Strahl sah Shannen Strahl noch einmal fest in die Augen und sagte: " Oh, wir gehen nicht um aufzuhören. Wir gehen nicht, um aufzugeben"

An diesem Tage begann der offizielle Kampf Shannen`s um die Bildungsgleicheit der First Nation Schüler, Shannen ist zu dieser Zeit 13 Jahre alt.

Anbei ein Video von der damaligen Pressekonferenz, leider in einer schlechten Bild - und Tonqualität.

http://www.youtube.com/watch?v=dPAfgsKefDg

Nachtrag: Charlie Angus ist Mitglied des kanadischen Parlaments

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10.08.2011, 21:50

etwas über Attawapiskat

Attawapiskat war historisch gesehen, ein seit Jahrhunderten von regionalen Indianern genutzter Versammlungsplatz. Im Frühling und Sommer verweilten dort Gruppen, um an den Richtung James Bay fließenden Flüssen zu fischen.
In der Winterzeit wurde dieser Platz wieder verlassen. Erst in den 1950 er Jahren entwickelte sich Attawapiskat zu einer Kommune mit festen Gebäuden, welcher vor allem in den 1960 er und 70 er Jahren errichtet wurde. Derzeitig leben etwa 1900 Angehörige der Attawapiskat First Nation in der Kommune. Mehr als ein Drittel der Kommune sind unter neunzehn Jahre alt und drei Viertel der Angehörigen auf dieser Reservation sind im Alter unter fünfunddreißig Jahren .
Die Kommune wird oft als "isolierter" Ort bezeichnet, die nächste wirkliche gut ausgebaute Strasse soll sich in einigen hundert Kilometern Entfernung befinden. Wie auf vielen Reservationen, gibt es auch in Attawapiskat Probleme mit Selbstmorden, Drogen oder auch Unglücksfällen unter vor allem jungen Menschen. Gleichwohl ist der überwiegende Teil der Angehörigen glücklich in ihrer Kommune, sie betrachten Attawapiskat als das Zentrum des Universums.
In 1976 wurde die J.R. Nagokee School ( Grundschule ) gebaut und nach 1990 die Vezina Secondary School ( für die oberen Schulklassen ) Populär wurde Attawapiskat durch die verstärkten Forderungen der Kommune nach einer neuen Grundschule ab dem Jahre 2000.

Ergänzend ein kleiner Film mit ein paar bildlichen Eindrücken aus Attawapiskat aus dem Jahre 2008:

http://www.youtube.com/watch?v=QzLMuW1N50I

" Wir haben nie eine richtige Schule gesehen " Schüler aus Attawapiskat

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12.08.2011, 21:15

Reservationsschulen in Kanada

Die Rahmenbedingungen in den Reservationsschulen von Kanada haben sich in den letzten Jahren erheblich verschlechtert. Grund hierzu sind gravierende, staatliche Einsparungen von Geldmitteln zugunsten der Bildung der First Nation Kinder.
Laut einer Studie der Regierung aus 2010 bestand ein Defizit von 48 neuen Schulen, weiterhin besteht ein Sanierungs - oder Erweiterungsbedarf an etwa 29 Reservationsschulen. Insgesamt werden nur knapp die Hälfte der Reservationsschulen in ihrer Bausubstanz als zufriedenstellend bezeichnet. In den Bestandsgebäuden ( Schulen ) treten insbesondere folgende gesundheitsgefährtende Probleme auf :
Überfüllung der Klassenräume, Schimmelbefall, eingefrorene Leitungen, somit unbeheizte Räume bzw. keine Wasserversorgung, Abwasser - Dämpfe innerhalb der Schulgebäude, hohe Kohlendioxid Belastungen, Unterricht in Portables, Schulen werden aufgegeben, obwohl trotz fehlender Infrastruktur kein Schulersatz besteht.
Eingesparte Geldmittel machen sich im direktem Bildungsprogramm bemerkbar, durch fehlende Bibliotheken, fehlende Computer, nicht vorhandene Sporträume, die Nichtförderung von gefährdeten Sprachen, keine Weiterbildung der Lehrer, unzureichende Lehrmittel.
Die Grundschule in Attawapiskat ist durchaus kein Einzelfall. Ein krasses Beispiel gab es hierzu bereits vor etwa zehn Jahren. Damals musste eine Schule der Lake St. Martin First Nation in Manitoba geschlossen werden, weil das Wassersystem mit Schlangen besetzt war. Als die Schüler damals die Wasserarmaturen öffneten, kamen immer öfter kleine Schlangen aus den Leitungen.
Es gibt Schulen, wo in Schichten unterrichtet werden muss, aufgrund fehlender Räume oder der Unterricht findet in großen Zelten statt.
Auf der anderen Seite engagiert sich Kanada seit Jahren in Afghanistan, um dort etwa fünfzig Schulen zu errichten. Etwa sechzehn Schulen sind bereits erstellt und weitere siebenundzwanzig befinden sich im Aufbau. Es ist bemerkenswert, wenn sich eine reiche Nation wie Kanada auf diese Weise in einem Entwicklungsland engagiert . Um so weniger verständlich ist es, dass Kanada dabei einen Teil seiner eigenen Kinder in die Vergessenheit geraten lässt.

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16.08.2011, 20:53

Shannen`s Aktionen in 2008

"Wir werden nicht aufgeben" Mit diesen Worten hatte Shannen Koostachin im Mai 2008 das Büro von Minister Chuck Strahl verlassen. Und Shannen gab nicht auf. Nachdem sie selbst nie eine richtige Schule gesehen hatte und ihre Grundschulklassen
in den Portables absolviert hatte, nachdem sie erlebt hatte, wie viele Schüler in Attawapiskat nach drei, vier oder fünf Schulklassen den Unterricht beendeten, weil sie die Hoffnung verloren hatten, führte Shannen den Kampf um eine neue Schule in ihrer Kommune fort. Mit Hilfe ihrer zwei Jahre älteren Schwester Serena und einiger Freunde wurde eine Seite auf Facebook eröffnet, um auf ihre Aktion aufmerksam zu machen. Darin wurden Schüler in Kanada informiert und gebeten, den Kampf um eine neue Schule in Attawapiskat zu unterstützen. Innerhalb weniger Wochen vermochte es Shannen, ein Feuer zu entflammen, ein Feuer, dass in den Herzen tausender First Nation- Schüler glimmte. In diesem Feuer kam der Wunsch dieser Schüler und Jugendlichen zum Ausdruck, endlich die Bildungsmöglichkeiten zu erhalten, wie sie für Kanada`s nicht indianische Schüler selbstverständlich ist, der Wunsch , durch diese Benachteiligung nicht mehr um ihre Zukunft, um ihr kulturelles Erbe betrogen zu werden.
Überraschener Weise wurde dieser Kampf auch von vielen nichtindianischen Schülern, Schulen und Hiflsorganisationen unterstützt. Nicht nur die Schüler in Attawapiskat, auch Schüler aus vielen Landesteilen Kanada`s schrieben Protestbriefe an den Minister. So sammelte eine Schülerin aus Sault Ste. Marie mehr als 130 Briefe in mehreren Schulen, die Briefe wurden im Juli an Minister Strahl verschickt. Ebenfalls im Juli richtete Shannen ein Schreiben an die Vereinten Nationen, um auf ihre Kommune aufmerksam zu machen. ( Der Inhalt dieses Briefes wurde bereits von "FeelingCrowWoman" per Link weiter oben eingestellt ) Shannen Koostachin wurde zum Sprachrohr der Initiative. Sie sprach in Schulen und auf anderen Meetings.
Ein herausragendes Ereignis in 2008 war eine am 26. November in Toronto abgehaltene Menschen - Rechts - Konferenz, wo Schüler aus Attawapiskat, darunter Shannen und ihre Schwester Serena, zu Wort kamen. Shannen ist zu dieser Zeit vierzehn,
ihre Schwester Serena sechzehn Jahre alt.
Nachfolgend zwei Aufzeichnungen der jeweiligen Reden von Shannen sowie Serena

http://www.youtube.com/watch?v=shXKTTKsZt0

http://www.youtube.com/watch?v=w17r5atzNUI

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21.08.2011, 11:19

Nominierung zum Friedens - Preis für Kinder

Wie im Erstbeitrag bereits erwähnt, wurde Shannen Koostachin im Sommer des Jahres 2008 stellvertretend für die Schüler von Attawapiskat für den Internationalen Kinder - Friedens - Preis nominiert.
Die Nominierung erfolgte durch Cindy Blackstock, Exexcutive Director der First Nations Child & Family Caring Society. Weitere Unterstützung kam u.a. von Charlie Angus, Parlamentsmitglied für die Region Timmins - James Bay oder der Nishnawbe Aski Nation (NAN), eine politische Organisation, welche in einem Teilgebiet von Ontario etwa 49 First Nations Kommunen repräsentiert. Sowohl die NAN als auch Charlie Angus äußerten sich bestürzt daüber, dass sich Schüler einer Kommune gezwungen sehen, mit ihrem Wunsch nach einer neuen Schule an die Vereinten Nationen herantreten zu müssen.

Der Internationale Friedens - Preis für Kinder ist eine Initiative der Dutch Kidrights Foundation und wurde in 2005 gestartet. In jedem Jahr erhält ein Kind / Jugendlicher den mit einer Summe von 100.000 Euro dotierten Preis. Diese vergebene Summe wird in das jeweilige Projekt des jeweiligen, durch das Komitee ermittelten Kindes investiert. In Betracht kommen Kinder, welche sich auf besondere Weise um die Weiterentwicklung der Kinderrechte verdient gemacht haben.

In 2008 wurden weltweit insgesamt 46 Kinder für diesen Preis nominiert. Den Zuschlag erhielt ein Mädchen in Brasilien, welches sich um die Beendigung der Gewalttätigkeiten gegen Kinder in den Armenvierteln von Rio de Janeiro verdient gemacht hatte.

Obwohl Shannen Koostachin den Preis nicht erhielt, sprach allein ihre Nominierung für sich und brachte das Schulprojekt in Attawapiskat in den Fokus der Weltpresse.

Der Link zeigt einen Film zur Nominierung von Shannen Koostachin :

http://www.youtube.com/watch?v=ZsWxHm-llVA

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27.08.2011, 13:18

der letzte Lebensabschnitt

Shannen Koostachin hatte sich bereits mit vierzehn Jahren ehrgeizige Ziele für ihre Zukunft gesetzt. Sie wollte eine gute traditionelle Jingle Dress – Tänzerin werden , und eine Ausbildung zur Anwältin absolvieren. Das berufliche Ziel, so war ihr bewusst, konnte nur mit einer guten Bildung erreicht werden. Aus diesem Grunde verzog Shannen mit ihrer Schwester Serena in 2009 nach New Liskeard, Ontario, wo sie zusammen die > Temiskaming District Secondary School > in Temiskaming Shores, Ontario, besuchten. Nach acht Jahren Unterricht in den Portables besuchte Shannen nun erstmals eine richtige Schule. Diese Schule war warm, hatte eine Bibliothek, einen Sportraum, hier liefen keine Mäuse über den Boden, die Wände hatten keine Risse oder schwarze Schimmelflecke.

Shannen war sehr bestürzt darüber, ihre Familie, Freunde und ihre Kommune verlassen zu müssen, aber sie wusste, nur auf diese Weise konnte sie sich selbst und ihrer Kommune helfen. Shannen lebte in dieser Zeit in der Familie von Charlie Angus, einem Parlamentsmitgliedes der Region Timmins – James Bay. Charlie Angus unterstützte die Initiative von Attawapiskat für eine neue Grundschule. Ungeachtet ihres oftmaligen Heimwehes nach Attawapiskat versäumte es Shannen nicht, weiterhin für eine gleichberechtigte Bildung der First Nation – Schüler zu kämpfen. Neben einigen Aktionen sprach sie im November 2009 auf der Ontario Federation Of Labour – Konferenz vor mehreren hundert Teilnehmern. Alle bis dahin durchgeführten Aktionen veranlassten die kanadische Regierung im Dezember 2009 dazu, dem Neubau einer Grundschule in Attawapiskat ( in 2012 ) zuzustimmen.

Shannen repräsentierte während der Zeit in New Liskeard stolz ihre Herkunft und Kultur.
„Cree“ war ihre Muttersprache und Attawapiskat ihre Heimat. Diesen Stolz repräsentierte sie z.B. auf einem durchgeführten Powwow ihrer High School als Tänzerin in Regalia. Im Frühjahr 2010 wurde Shannen gefragt, ob sie auf dem nächsten Schul – Powwow die Position der Lead – Tänzerin übernehmen würde, worüber sich Shannen sehr freute. Im Mai des gleichen Jahres, Shannen war inzwischen in der 10. Klasse, durfte sie mit Genehmigung der Eltern einen Ausflug nach Ottawa machen, eine Anerkennung für ihre schulischen Leistungen. Auf der Rückfahrt von diesem Ausflug ereignete sich in den späten Abendstunden des 31. Mai 2010 dieser tragische Autounfall, wobei Shannen und ihre Mentorin Rose Thornton, getötet wurden. Zwei weitere Fahrzeuginsassen überlebten leicht verletzt. Der tragische Tod von Shannen war ein Schock, für die Familie, ihre Kommune,
für Freunde, aber auch für viele Kinder und Bürger von Kanada. Der Vater von Shannen, Andrew Koostachin, machte sich große Vorwürfe, weil er den Ausflug genehmigt hatte. Er suchte Rat bei den Ältesten in Attawapiskat. Die Ältesten versuchten , ihn zu trösten.
Shannen wurde unserer Kommune vom Schöpfer für eine kurze Zeit geschenkt, um uns etwas zu lehren. Die Eltern glaubten an diese Worte, aber die Trauer verminderte es kaum.
Nur wenige Tage nach Shannen`s Tod führte die High School in Temiskaming Shores auf Wunsch von Serena Koostachin das geplante Powwow durch. Um Shannen zu ehren und zu gedenken, blieb dabei während des Grand Entry die Position der Frauen – Lead – Tänzerin unbesetzt, es war die Position, welche Shannen gehabt hätte. Später gab es einen Blanket –Dance, um Shannen zu ehren. Auf dieser Decke wurden Spenden gelegt, die später einem
First Nation Schüler dieser Schule als Unterstützung überreicht wurden.

Welche Bedeutung das Wirken von Shannen Koostachin in Kanada darstellte und noch darstellt, zeigte u. a. auch die Rede von Charlie Angus während der Beerdigung, ein Auszug dazu .

„Wenn Martin Luther King oder Nelson Mandela mit fünfzehn Jahren durch einen Autounfall gestorben wären, hätte die Welt jemals gewusst, was sie verloren hat ?

Charlie Angus, der Shannen sehr gut kannte und unterstütze, ist nicht nur Politiker, sondern auch Musiker. Ihr zu Ehren schrieb Angus nach ihrem Tode einen Song, der sehr schnell
unter den Schülern Kanada`s populär wurde: „Diamonds in the Snow“
An einer Textstelle heißt es : „sie ist die Chance, eure Welt zu heilen“

http://www.youtube.com/watch?v=IThwsiXhKa8


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28.08.2011, 20:47

Hallo Morning Star,

danke für die ganzen Info's. ;) :)

Hier, von Shannen Koostachin, zwei Bilder im Regalia

LG
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»FeelingCrowWoman« hat folgende Dateien angehängt:
  • 31aa529e.m.jpg (60,13 kB - 181 mal heruntergeladen - zuletzt: 05.08.2017, 18:09)
  • bild(5).jpeg (141,43 kB - 178 mal heruntergeladen - zuletzt: 28.02.2014, 11:46)



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03.09.2011, 20:38

Start von Shannen`s Dream

Nach dem Unfalltod von Shannen wurde Charlie Angus von Shannen`s Eltern gefragt, ob er eine Grabrede halten könnte. Charlie Angus, war sich zunächst unsicher, was er wohl an ihrem Grabe sagen könnte. Erst wenige Tage zuvor hatte er am Grab seines eigenen Vaters gesprochen. Dort konnte zumindest auf ein erfülltes Leben Rückblick genommen werden.
Was aber sollte Angus am Grab eines erst fast sechzehn Jahre alten Mädchens sagen, um der Familie und Freunden von Shannen Trost zu spenden. Angus erinnerte sich, wie ihn Shannen so oft vor einem geplanten Meeting gefragt hatte, was sie wohl den Menschen dort sagen solle. Angus hatte ihr immer gesagt, einfach aus ihrem Herzen zu sprechen, und diese Worte waren immer passend gewesen. Also sprach auch Charlie aus seinem Herzen und würdigte das nur allzu kurze, aber so eindrucksvolle Lebenswerk von Shannen.

Noch in der Trauerwoche fasste Charlie Angus den Entschluss, den Kampf von Shannen in irgendeiner Form weiter zuführen. Er startete den Shannen Koostachin Memorial Fund.
Dieser Fonds sollte / soll Stipendien für Jugendliche der James Bay Cree zur Verfügung stellen, damit diese Jugendlichen nicht den Glauben an ihre eigene Bildung und Zukunft verlieren, weiterhin sollte / soll der Kampf fortgeführt werden, welchen Shannen begonnen hatte. Unterstützung kam jedoch auch von ganz anderer Seite. Mehrere Organisationen aus Kanada, sogar GOOGLE aus New York, verfolgten den Wunsch, den Kampf von Shannen Koostachin in einem Projekt fortzuführen. Nur wenige Tage nach der Beerdigung verkündete Charlie Angus, dass man ein Projekt unter der Bezeichnung > Shannen´s Dream < starten werde.
Dieses Projekt hat das Ziel, den First Nation Schülern das gleiche Bildungsniveau zu ermöglichen, wie den nichtindianischen Schülern von Kanada. Die Initiative dieses Projektes wurde von Beginn an durch zahlreiche Organisationen sowie Bürgern von Kanada und aus anderen Ländern unterstützt. So brachte bereits im Juli 2010 die > Elemantary Teachers`Federation of Ontario < einen Antrag heraus, um diese Initiative zu unterstützen.
Dieser Organisation ( ETFO ) gehören mehr als 76000 Lehrer an, welche in den Grundschulen von Ontario unterrichten. Im September des gleichen Jahres stellte Charlie Angus einen Antrag im House of Commons ( Unterhaus des kanadischen Parlamentes ), welcher in einem sechs Punkte – Programm die Verbesserung für die First Nation Schüler fordert. Der Antrag ist unter der Motion 571 bekannt.

Am 17. November in 2010 war der offizielle Start der Kampagne > Shannen`s Dream <
An diesem Tage gab es eine Pressekonferenz sowie ein Meeting in Ottawa. Das Meeting fand in der Elgin Street Public School statt. Neben zahlreichen Vertretern mehrerer Organisationen Kanada`s und örtlichen Schülern waren auch die Eltern und Geschwister sowie mehrere Schüler aus Attawapiskat Teilnehmer dieses Events. Eine besondere Ehrung erfuhr Shannen Koostachin an diesem Tage durch die Canadian Coalition For Rights Of Children.
Shannen wurde in Anerkennung ihres Wirkens postum mit einem Preis für Menschenrechte geehrt.
Nachfolgend zwei Links mit Aufnahmen von der Pressekonferenz sowie der Preisverleihung :

http://www.youtube.com/watch?v=qnpX3mDTB6A

http://www.youtube.com/watch?v=lI_8s0PJSy8



„Bildung ist in diesem Land ein Recht“ Catherine Fife, President, Ontario Public School Board

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05.02.2012, 10:54

Besuch in Genf

Auf dem Wege nach Genf sind derzeitig sechs jugendliche "Botschafter" der First
Nations. Dort werden sie in einem eher privaten Treffen mit achtzehn Mitgliedern vom UN - Komitee zusammentreffen, um über die Zustände der Reservationsschulen in Kanada zu berichten. Die Jugendlichen werden u.a. von Cindy Blackstock ( executive director der First Nation Child and Family Caring Society ) begleitet. Eine der Jugendlichen ist Chelsea Edwards aus Attawapiskat. Chelsea war eine der besten Freundinnen von Shannen Koostachin. Nach dem Tode von Shannen hat Chelsea den von Shannen begonnen Kampf weiter geführt und war bereits in vielen Aktionen aktiv. Chelsea wird dem Komitee in Genf von den Umständen in Attawapiskat erzählen, dann wird die Welt erfahren, was es heißt, eine Reservationsschule in Kanada zu besuchen und warum diesen Schüler weniger finanzielle Unterstützung gegeben wird als den nichtindianischen Schülern.

Vor einigen Wochen hat die Regierung nun eine Ausschreibung für den Schulneubau in Attawapiskat herausgegeben. Die Schule sollte / soll ja laut Versprechen in diesem Jahr gebaut werden. Ganz offensichtlich sind die Schüler und Eltern von Attawapiskat diesbezüglich noch sehr skeptisch. Wer will es ihnen verdenken, nach so vielen unerfüllten Versprechungen der Regierung.

Diese Zweifel brachte auch Chelsea Edwards kürzlich zum Ausdrück. Bezüglich des Schulneubaues sagte sie ( sinngemäß ) :

" Das werde ich erst glauben, wenn ich es ( die Schule ) sehe. Aber auch das wird mich nicht aufhalten. Das ist nicht das Ende für mich. Nicht bis alle First Nation - Schulen gebaut sind "

"I’ll believe it when I see it,” said Edwards. “But that won’t stop me. That isn’t the end for me. Not until all First Nations schools are built.”

Noch vor wenigen Jahren war die jetzt 16 - jährige der Meinung, dass alle Schüler in Kanada unter solchen Bedingungen wie in ihrer Kommune unterrichtet wurden, erst der Einzug des Internet öffnete ihre Augen.

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03.03.2012, 10:33

Schulneubau

Nach erfolgter Planung wurde nunmehr mit dem Bau der neuen Grundschule in Attawapiskat begonnen. Der etwa 31 Millionen
kanadische Dollar teure Neubau beinhaltet Elemente der Cree - Kultur, inklusive indianischer Kunst als auch Geometrien, um
den Schülern ein einheimisches Umfeld zu bieten. Sofern alles planmäßig verläuft, soll die Schule im nächsten Jahr fertiggestellt
sein.

Der Link zeigt eine Skizze der neuen Schule. von der Rückseite betrachtet :

http://www.cbc.ca/news/canada/sudbury/st…kat-school.html

Gruß Morning Star
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04.03.2012, 22:36

Danke für das Update, Morningstar.
Es scheint sich doch endlich etwas positives zu entwickeln.
Und Shannen´s Traum wird doch noch war.

Lenu

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01.06.2012, 18:59

Todestag von Shannen Koostachin

Heute vor zwei Jahren verstarb Shannen Koostachin an den Folgen eines Autounfalles.
Während in zahlreichen Quellen der 31. Mai als Todestag angegeben ist, gilt der 01. Juni
als das offizielle Todesdatum. Dies ist durch die damaligen zeitlichen Abläue des Unglückes bedingt.
Der Unfall geschah kurz vor Mitternacht des 31. Mai, der Tod von Shannen wurde aber erst in den sehr
frühen Morgenstunden des 01. Juni festgestellt, nachdem Shannen in ein Krankenhaus gebracht wurde.

Der nachfolgende Link ist aus 2010 :

http://buffamleveille.frontrunnerpro.com…y&ItemId=473539

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02.06.2012, 19:24

Ergänzung

Die Kinder der Ureinwohner Kanadas kämpfen für mehr Gleichberechtigung bei der Bildung - mit einer Kampagne für guten Unterricht.

Die Kinder der Ureinwohner Kanadas kämpfen für mehr Gleichberechtigung bei der Bildung - mit einer Kampagne für guten Unterricht.Die Schule von Kitigan Zibi mit Bibliothek, Cafeteria und Computerraum gehört wegen des Engagements von Gemeinde, Schülern und Lehrern zu den vorzeigbaren indianischen Bildungseinrichtungen Kanadas. „Eine Rarität unter den Schulen in Reservationen“, sagt eine Lehrerin. River und seine Kameradinnen Shauna Jerome, Shawnesia Ottawa und Daisey Brascoupe wissen, dass es vielen indianischen Schülern nicht so gut geht.

Shauna hat eine der Schulen weiter oben im Norden besucht. „Wegen Schimmelbefalls mussten wir in die Gemeindehalle ausweichen.“ Wenn sie mit den Sportteams ihrer Schule andere Gemeinden besuchen, hören sie, wie es anderen geht – keine Bücher, keine Computer, keine Spielplätze, manchmal nicht einmal eine Schule. „Wir wollen helfen und Veränderungen sehen“, sagen Shauna und ihre Freunde.

Ihre große Heldin ist Shannen Koostachin. Shannen hatte nicht so viel Glück wie die Kinder von Kitigan Zibi. Sie lebte in der indianischen Gemeinde Attawapiskat an der James Bay im Norden Ontarios. Nie habe sie „eine richtige Schule gesehen“, schrieb die damals 13-jährige 2008. Jahrelang stand die Schule in Attawapiskat auf einem Diesel-verseuchten Gelände, Schüler und Lehrer wurden krank. Container wurden in die Gemeinde gebracht und als Schule genutzt. „An Januartagen saßen wir in unseren Klassenräumen mit Wintermänteln, um uns vor der Kälte zu schützen.“

Die Kinder wuchsen auf ohne wirkliche Bibliothek, richtige Turnhalle oder ausreichenden Computerraum. In den meisten Regionen Kanadas hätten solche Verhältnisse einen öffentlichen Aufschrei hervorgerufen und die Regierung schnell handeln lassen. Die Eltern und Kinder an der James Bay aber wurden vertröstet. Drei liberale und konservative Indianerminister versprachen eine neue Schule – und brachen ihr Versprechen. Als 2007 Minister Chuck Strahl erneut die Baupläne strich, fuhren Kinder von Attawapiskat nach Ottawa und Shannen machte dem Minister klar: „Wir werden nicht aufgeben.“

Vergessene Kinder

Mit drei anderen Jugendlichen war Shannen Sprecherin der „vergessenen Kinder von Attawapiskat“. „Schule ist eine Zeit für Träume“, sagte sie. Sie forderte „sichere und behagliche Schulen“ und eine auf der Kultur der Schüler basierende, nicht diskriminierende Schule. Die Realisierung ihres Traums aber wird sie nie erleben: Im Juni 2010 wurde sie, 15 Jahre alt, bei einem Verkehrsunfall getötet. Aber „Shannen’s Dream“ hat sich zu einer landesweiten Kampagne entwickelt, angestoßen von Kindern der „First Nations“, wie sich die indianischen Völker nennen, und ihren erwachsenen Unterstützern, mitgetragen aber auch von Kräften außerhalb der Ureinwohner. „Kanadas Verhalten gegenüber den Kindern der First Nations schafft so viele Verstöße gegen die UN-Konvention über die Rechte des Kindes, dass es schwer ist, sie alle zu registrieren“, stellt Cindy Blackstock von der First Nations Child and Familiy Caring Society fest. Die schlimmste Verletzung betreffe „das Verbot rassistischer Diskriminierung“.

Genau das wird dem kanadischen Staat vorgeworfen. In Kanada ist Bildung eigentlich Aufgabe der Provinzen. Für die Schulbildung der Ureinwohnerkinder aber ist die Bundesregierung zuständig. Dabei besteht eine erhebliche Diskrepanz: Nach Berechnungen des Dachverbandes Assembly of First Nations geben die Provinzen für ihre nicht-indianischen Kinder 7000 bis 9000 Dollar pro Jahr und Kind aus, der Bund dagegen 2000 bis 3000 Dollar weniger für First Nation-Kinder.

Das bedeutet weniger Lehrer und weniger Unterrichtsmaterial. Hinzu kommt der erbärmliche Zustand etlicher Schulen. Attawapiskat ist nicht einzigartig. In Manitoba musste eine Schule geschlossen werden, weil das Wassersystem mit Schlangen verseucht war. Es gibt Gemeinden ohne festes Schulgebäude, die daher in Zelten unterrichten. In einigen Schulen wird in Schichten gelernt, weil es viele Kinder und wenig Schulraum gibt. Mancherorts ist Schimmel eine ständige Gesundheitsgefahr, Kinder sitzen im Winter mit Mantel und Handschuhen in der Schule, weil es so kalt ist
er Budgetbeauftragte des kanadischen Parlaments stellte fest, fast die Hälfte aller Schulen in Reservationen sei in einem „armen Zustand“. Ganz aktuell ist der Bericht des Bundesrechnungshofs, dessen Präsident kürzlich erklärte: „Die Bedingungen in Reservationen haben sich verschlechtert.“ Die Bildungslücke zwischen indianischer Bevölkerung und der allgemeinen kanadischen Bevölkerung „hat sich verbreitert“.( Irgendwie klingt das wie die Statements des Senats in Berlin zu den Zustand der Schulen Wedding,Neu Köln, Kreuzberg)

„Shannen ist nicht mehr bei uns. Aber ihr Geist wird uns weiter leiten“, sagt Shawnesia Ottawa aus Kitigan Zibi. Sie ist mit Daisey Brascoupe in eine Grundschule in Gatineau bei Ottawa gefahren. Dort haben sich die Schulkinder der Kampagne angeschlossen. „Wir glauben an Shannens Traum“ und „Gleiche Schulbildung für First Nations“ haben sie auf Plakate gemalt. Shawnesia und Daisey erzählen, unter welche Bedingungen die Kinder in manchen Reservationen lernen müssen. Auch Charly Angus ist gekommen, der sozialdemokratische Abgeordnete, in dessen Wahlkreis Attawapiskat liegt.

„Schule ist ein Recht, das alle Kinder haben. Diese Lektion hat uns Shannen gelehrt. Und sie hat gesagt: Wenn die Erwachsenen nichts tun, dann werden die Kinder handeln“, sagt Charly Angus. In der Turnhalle, in der zuvor aufmerksame Stille herrschte, bricht Jubel aus. Angus Toulouse, Ontarios Oberhäuptling, sagt seinen jungen Zuhörern: „In Kanada gibt es Kinder, die haben keine saubere, schöne und sichere Schule wie ihr.“ Dann sagt er mehr an die Adresse der Eltern und Lehrer gerichtet: „In vielen indianischen Gemeinden Kanadas herrschen Dritte-Welt-Bedingungen.“

Eine Dokumentation mit mehr als 30 Briefen indianischer Kinder über ihre Schulen hat die Kampagne „Shannen´s Dream“ zusammengestellt. Der Bericht wird dem UN-Komitee über die Rechte der Kinder übermittelt. Anfang kommenden Jahres wird sich das Komitee im Rahmen der regelmäßigen Überprüfung der Umsetzung der Kinderrechtskonvention mit Kanada beschäftigen.

Dabei soll die Lage der Ureinwohnerkinder in einem der reichsten Länder der Welt eine wichtige Rolle spielen. Cindy Blackstock will im Herbst mit einigen Kindern nach Genf reisen, um ihr Anliegen vorzutragen: „Kanada hat dieses Problem zu lange unter den Teppich gekehrt.“ Shawn Atleo, Nationaler Oberhäuptling, sagt es so: „Jetzt ist die Zeit gekommen, Shannens Traum zu verwirklichen“. Shannons Traum wird Wirklichkeit

Nach einem wettbewerbsfähigen öffentlichen Ausschreibung die erste Nation, vergab den Auftrag an seine neue Schule an die Penn-Co Construction Kanada (2003) Ltd konstruieren am 6.März 2012.Der Auftragnehmer verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Arbeit mit Remote-First Nation Gemeinschaften für den Bau von großen Anlagen wie Kläranlagen, Krankenhäuser, Schulen und gewerbliche Gebäude.
Nach seiner Fertigstellung wird das 5808 Quadratmeter große neue Schule 540 Schüler vom Kindergarten bis 8.Klasse unterzubringen.
Die neue Schule wird erwartet, dass während des Schuljahres 2013-2014 zu öffnen.Bilder der neuen Schule kann bei aandc.gc.ca gefunden werden.

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19

25.01.2014, 11:32

Dokumentarfilm

Bereits im Herbst des letzten Jahres wurde auf dem Toronto International Film Festival ein Dokumentarfilm über Shannen `s Dream uraufgeführt.

Der Dokumentarfilm schildert in Spielfilmlänge das Leben von Shannen sowie der nach ihr benannten Kampagne. Geschaffen wurde die Doku von Alanis Obomsawin, eine Angehörige der Abenaki First Nation, eine in Kanada sehr geschätzte Filmschaffende im Dokumentarfilmbereich.
Die Doku trägt den Namen > Hi-Ho Mistahey! < dies entstammt der Cree – sprache und bedeudet
> “I love you forever” < Es war ein beliebter Ausspruch von Shannen Koostachin.

http://www.fncaringsociety.ca/sites/defa…0onesheet_0.pdf

Sofern alles planmäßig verläuft, soll ja die neue Grundschule in Attawapiskat in diesem Jahr eröffnet werden.

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20

25.01.2014, 12:46

Hallo,

hier ist auch noch was, darüber
http://www.nfb.ca/film/hi-ho_mistahey_en

LG
FeelingCrowWoman



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