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24.10.2009, 23:11

Historische Spielfilme (Western)

>Buffalo Bill und die Indianer<
Der in 1976 von Robert Altmann gedrehte Western "demontierte" das legendäre Bild des Buffalo Bill (William F.Cody)
Dem Zuschauer wird ein geradezu krankhafter, geltungssüchtiger und eitler Versager präsentiert. Gleichzeitig wird
in diesem Film das Zusammentreffen von Cody`s Wildwestshow und der Kultur der Indianer gezeigt. In seiner Show
präsentiert Cody dem Publikum die Eroberung des Westens als große, verlogene Show. Um eine zusätzliche
Attraktion für seine Show zu erhalten, bemüht sich Cody um Sitting Bull. Mit ihm zusammen will er eine Rekonstruktion
der Schlacht am Little Big Horn inszenieren. Diese Rekonstruktion soll jedoch Custer als den eigentlichen Sieger
und Helden der Schlacht präsentieren. Sitting Bull räumt mit der Lüge um Custer auf...

Der Spielfilm schreibt das Jahr 1880. Cody`s Wildwestshow begann allerdings erst im Mai 1883 in Oklahoma.
Sitting Bull trat in dieser Show erst in 1885 auf, er soll Buffalo Bill gemocht haben. Altman`s Film hatte
seinerzeit beim Zuschauer nur mäßigen Erfolg erzielt, es war ein finanzieller Reinfall. Nach seinem Werk kam
kein Film über Buffalo Bill wieder in das Kino, ebenso verging geraume Zeit, ehe das Thema Custer von
Hollywood wieder aufgegriffen wurde.

Gruß Morning Star
Morgen-das ist der erste Tag vom Rest Deines
Lebens

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Stepha3nie

unregistriert

2

26.10.2009, 19:52

Ich finde den Film gut. Wenn es auch kein Film ist, den ich mir oft anschaue. Kein bequemer Film, sondern einer, bei dem man selber auch gefordert wird.

Mir gefiel die Idee, die beruehmten Figuren einmal von einer ganz anderen Seite zu zeigen.
Auch wie der Regisseur uns vor Augen haelt, wie einfach es ist, Idealbilder aufzubauen, wie schwer es aber dann sein kann, diesen Idealen weiterhin gerecht zu werden.
Wie Legenden maechtiger werden als die Wahrheit. (Das ist schliesslich auch, wie Geschichte gemacht wird)
Wie die Wahrheit aber auch fuer einen Moment die Legende zum Einstuerzen bringen kann.

Im Prinzip hat sich ja nicht viel am Publikumsanspruch zum Thema "Indianer" geaendert. Wer findet nicht, dass Will Sampson mehr unserem Bild von Sitting Bull entspricht (oder einem anderen stolzen Haeuptling), als der "wahre" Sitting Bull im Film... (Wobei Will Sampson ihm wirklich aehnlicher sieht...)

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3

20.02.2010, 08:27

Der letzte Mohikaner

Kaum ein Buch über die amerikanische Kolonialzeit ist so oft verfilmt worden wie der im Jahre 1826 erschienene Roman >Der letzte Mohikaner< von James F. Cooper. Die bislang etwa zehn Verfilmungen basieren allesamt auf der teilweise historischen als auch zum Teil fiktiven Handlung dieses Romans zur Zeit des Siebenjährigen Krieges. Sowohl das Buch, aber insbesondere die Filme haben jedoch einige historische und ethnologische Fakten „verzerrt“ , welches in Folge beim Leser bzw. Zuschauer zu einem klischeeartigen Trugbild
geführt hat.

Da wäre zunächst die historisch reale Person des „Mohikaners“ Uncas. Uncas war ein gebürtiger Pequot und lebte von etwa 1605 – etwa 1682. Die Gruppe, welcher Uncas angehörte, spaltete sich im 17. Jahrhundert von den Pequot ab und wurde fortan unter der Stammesbezeichnung >Mohegan< bekannt. Diese Nation wurde (bereits durch Cooper und später im Film ) jedoch mit der Nation der >Mahican< auch >Mohican< verwechselt.
Die Bezeichnungen dieser zwei Nationen sind ähnlich, aber rein zufällig. Beide Stämme gehören zur Algonkin – Sprachgruppe, unterscheiden sich jedoch wesentlich in der Sprache.
Mohegan leitet sich von dem Wort >Mahiingan< ab, welches Wolf bedeutet. Mahican leitet sich dagegen von dem Wort >Muheconneok< ab und bedeutet etwa >Leute vom Wasser, welches niemals still steht< gemeint ist der Hudson River. Beide Nationen haben zwar massiv unter den Kolonialisten gelitten, sind aber nicht völlig vernichtet worden. Somit hat es keinen
„Letzten Mohikaner“ gegeben. Cooper hat sich möglicherweise hierzu auf die Nation der
>Wappinger< bezogen. Uncas wurde sowohl in eine falsche Zeit, als auch in eine andere Nation hinein interpretiert, da er zur Zeit der Handlung bereits etwa achtzig Jahre nicht mehr lebte. Zudem widerspiegelte Uncas in Buch und Film den typisch „edlen Wilden“
Mindestens in den Lederstrumpferzählungen (Produktion D/F) wird mit dem Delawaren >Tamanend< eine weitere historische Person in einen falschen Zeitrahmen „versetzt“.
Tamanend verstarb bereits um das Jahr 1700.

Das Buch und die Verfilmungen haben in Deutschland aufgrund fehl interpretierter Tatsachen zu einem sprichwortartigen Ausspruch geführt. Wann immer etwas zu Ende oder zur Neige geht, im Arbeitsleben, in der Freizeit, bei Sport und Spiel, ist immer wieder der Ausspruch zu hören: „das war der letzte Mohikaner“

Morning Star

anbei noch eine Liste der bisherigen Verfilmungen

1. Der letzte Mohikaner (1920) – Regie: Clarence Brown und Maurice Tourneur
2. Lederstrumpf (Teil 1: Der Wildtöter, Teil 2: Der letzte Mohikaner) (1920) – Regie: Arthur Wellin
3. Der letzte Mohikaner (1932) – Regie: Ford Beebe und B. Reeves Eason
4. Der Letzte der Mohikaner (1936) – Regie: George B. Seitz
5. Der letzte Mohikaner (1965) – Regie: Harald Reinl
6. Der letzte Mohikaner (1965) – Regie: Mateo Cano
7. Die Lederstrumpferzählungen (Teil 2: Der letzte Mohikaner) (1969) (Fernsehfilm) – Regie: Jean Dréville und Pierre Gaspard-Huit
8. Der letzte Mohikaner (1971) (Fernsehserie) – Regie: David Maloney
9. Der letzte Mohikaner (1977) (Fernsehfilm) – Regie: James L. Conway
10. Der letzte Mohikaner (1992) – Regie: Michael Mann
Morgen-das ist der erste Tag vom Rest Deines
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13.11.2011, 20:27

Cheyenne Autumn

Ausgerechnet Regisseur John Ford, welcher in seinen voran gegangenen Western „ mehr Indianer getötet hatte, als Custer, Beecher und Chivington zusammen“ , brachte in 1964 mit
„Cheyenne Autumn“ einen Film heraus, der eines der schandwürdigsten Kapitel der US – amerikanischen Politik bezüglich der Indianer zum Inhalt brachte. Fast einzigartig zu dieser Zeit, stellte dieser Film die Indianer als menschliche Wesen dar. Dem Zuschauer wurden die Ereignisse des Rückmarsches der Nördlichen Cheyenne von Oklahoma nach Montana in 1878 und 1879 aus vermeintlich indianischer Sicht in einem bildgewaltigen Filmepos geschildert.
Vor dem Hintergrund der sich tatsächlich abgespielten historischen Ereignisse widerspiegelte dieser Film eines von unzähligen, an den Indianern begangenen Verbrechen. Dieses Zugeständnis stellte damals wie ein Paukenschlag die „Größe“ dieses Filmes dar.

Unter kultur - historischen Aspekten betrachtet, hat dieser Film jedoch mehr Schaden angerichtet, als es zunächst vermuten lässt. Dem Film lag der gleichnamige Roman von Mari Sandoz zugrunde. Nach einem vertraglichen Abkommen mit der Autorin wurde dieser Roman durch den Drehbuchautor James R.Webb jedoch „Hollywood – gemäß“ abgeändert. Das Ergebnis war die Verzerrung wesentlicher Teile der wahren historischen Ereignisse als auch die Verzerrung der Stammesgeschichte der Nördlichen Cheyenne. Ford machte zunächst seinen ersten Kardinalsfehler, indem er diesen Film im Monument –Valley drehte. Die Folge daraus war eine vollkommen falsche Darstellung sowohl der Reservation in Oklahoma als auch der historisch – landschaftlichen Umweltfaktoren. Ferner platzierte Ford in den Hauptrollen ausschließlich nichtindianische Schauspieler, aus den USA, Mexico und Italien.
Die Cheyenne selbst wurden von Navaho dargestellt. Neben diesen Rahmenbedingungen verzerrte ( leider ) auch dieser Film wesentliche Elemente der tatsächlichen Ereignisse.
Man könnte hier eine sehr lange Liste aufführen, was in diesem Film sowohl kulturell als auch historisch nicht authentisch dargestellt wurde. So trommeln z.B. Cheyenne – Frauen auf polynesischen Holztrommeln. Man stellte den Cheyenne mit der Lehrerin Mrs Wright eine weiße Begleiterin an die Seite, diese Begleiterin hat es nicht gegeben. Die verfolgende Kavallerie unter Captain Archer verfolgt die Cheyenne bis nach Nebraska, auch das entspricht nicht den Tatsachen, die Einheiten der US –Armee wechselten mit der entsprechenden Zuständigkeit der Militärbehörden ( Departements ) . Das erste im Film dargestellte Gefecht nimmt Bezug auf das Gefecht vom > Punished Woman`s Fork < und wird ebenfalls völlig verzerrt dargestellt. Zum Filmende gibt es ein Wiedertreffen der Gruppen von Dull Knife und Little Wolf in den Sand Hills von Nebraska. Dieses Treffen sowie das gemeinschaftliche Treffen mit dem Innenminister Carl Schurz ( in diesem Lager ) hat es nie gegeben.
Insbesondere bringt der Film jedoch Schaden bzw. Misskredit über Chief Dull Knife und Little Wolf. So wurde das Heilige Bündel der Nördlichen Cheyenne nicht während dieses Rückmarsches weitergereicht. Little Wolf war bereits geraume Zeit vor Oklahoma der Sweet Medicine Chief ( Träger des Heiligen Bündels ) und trug somit höchste Verantwortung für seinen Stamm. Nebenbei bemerkt wird im Film suggeriert, dass es sich bei der fliehenden Gruppe um den gesamten Stamm handelte, auch dies ist unrichtig, es gab zu dieser Zeit noch
vier andere Gruppen der Nördlichen Cheyenne. Man benutzt den Sohn von Dull Knife, dargestellt von Sal Mineo, als „Störenfried“ innerhalb der fliehenden Gruppe. So vereitelt dieser Sohn von Dull Knife beispielsweise einen Hinterhalt durch einen ersten, verfrühten Schuss. Ferner stellt Dull Knife`s Sohn im Film einen „Nebenbuhler“ von Little Wolf dar, indem er Little Wolf dessen jüngere Frau ausspannt. Am Ende des Filmes kommt es diesbezüglich zum Showdown zwischen Little Wolf und Red Shirt ( Sal Mineo ) .
Red Shirt wird dabei getötet, worauf Little Wolf das Heilige Bündel an Dull Knife übergeben muss. Dies ist eine völlige Falschdarstellung der tatsächlichen Ereignisse und bringt Chief Little Wolf in Misskredit des Zuschauers. Diese Darstellung im Film basiert auf Ereignissen , die sich Jahre zuvor, bzw. etwa ein Jahr später zugetragen hatten. Einige Jahre zuvor gab es Gerüchte, dass ein Krieger namens Starving Elk der jüngeren Frau von Little Wolf gegenüber zuviel „Interesse“ zeigte. Während des Rückmarsches von Oklahoma in den Norden entwickelte eben dieser Starving Elk ein Interesse an Pretty Walker, der Tochter von Little Wolf. Little Wolf, in seiner Funktion als Sweet Medicine Chief, durfte nach dem Stammesgesetz darüber keinen Zorn zeigen. Dies änderte sich mit „Degradierung“ von Chief Little Wolf zum Reservationsindianer in Montana. In 1880 erschoss Little Wolf nach einem Streit Starving Elk. Daraufhin lebte Little Wolf in der Nähe der Reservation in der Verbannung und übergab später das Heilige Bündel an einen Chief namens Grasshopper .

Das Filmende suggeriert dem Zuschauer ein gutes Einvernehmen der US –Regierung mit den Nördlichen Cheyenne – man gewährt ihnen einen Verbleib im Norden, auch dieses stellt einen historischen Trugschluss dar, ebenso die verklärende Darstellung der Ereignisse in Fort Robinson und der Gestalt von Captain Wessels. Der Film versäumt es, im Klartext die wirklichen „Schurken“ zu benennen, welche letztlich die Verantwortung für diese „Fussnote der amerikanischen Geschichte“ , wie zu Beginn des Filmes erwähnt wird, trugen.
Das Filmoriginal hat eine Spieldauer von 151 Minuten, wird aber zumeist in der stark verkürzten Version gezeigt. Alles in Allem ein seinerzeit bemerkenswerter Film, der unter kultur – historischen Aspekten jedoch sehr kritisch gesehen werden muss.

Morning Star
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