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16.08.2008, 08:01

Alcatraz

Die Insel Alcatraz kennen die meisten Menschen als Gefängnisstätte der amerikanischen Schwerverbrecher. Im Jahre 1963 beschlossen die amerikanischen Behörden, das Zuchthaus aufzulösen und die Insel ihrem Schicksal zu überlassen…

Damals erinnerten sich einige Mitglieder der Organisation >Indians of All Tribes< an den Vertrag von Fort Laramie (1868 ), nach diesem Vertrag war ungenutztes Land den Indianern zurückzugeben. Nachdem sich diese Gruppe vorab noch gründlich informiert hatten, daß die Insel niemals von dem dort früher lebenden Stamm verkauft worden war, besiedelten diese Indianer mit ihren Familien die Insel von neuem.
Ihre Hauptaufgabe sahen die > Indianer aller Stämme< in der Läuterung der Indianer von den Ablagerungen einer individualistischen Gesellschaft und ihren Idealen der Aneignung ,der Bereicherung.
Sie suchen den Weg zur „Rettung der Seele des indianischen Volkes“ – wie der Führer der Aktion von Alcatraz, der Mohawk Richard Oakes, es ausdrückte.
Die Losungen klangen für viele unkonkret.
Es ist charakteristisch, das auf der Insel als erstes ein Kindergarten und eine Schule eröffnet wurden, die erste rein indianische Schule Amerikas. In beiden Einrichtungen wurde der Nachdruck auf die Herausbildung des Gefühls der völligen Zugehörigkeit zum Kollektiv gelegt. Den Werten der amerikanischen Gesellschaft wurden die traditionellen Ideale der indianischen Ethik gegenübergestellt. In allen Klassen wurden die Geschichte Amerikas aus indianischer Sicht, die Geschichte der indianischen Volksdichtung, die indianische Naturkenntnis und Naturheilkunde und vor allem indianische Sprachen gelehrt.
Auf Alcatraz wurde eine eigene Radiostation eingerichtet, dreimal wöchentlich sendeten die Indianer Berichte über indianische Geschichte und Kultur und ihre Auffassungen vom Wesen und von der Lösung der Indianerfrage. Diese, für den amerikanischen Hörer sensationellen Sendungen wurden bald von fast der Hälfte aller Rundfunkstationen der USA übernommen.
Die Gruppe auf Alcatraz gelangte somit zu großer Popularität. Die zahlreichen Touristen von San Francisco trugen die Kunde der Kolonie der „Rebellen“ unter indianischer Flagge ebenso in die ganze Welt.
Die Aktion Alcatraz hatte nicht nur in ganz Amerika Solidaritätskundgebungen ausgelöst, sondern brachte auch materielle Unterstützung von Tausenden Sympathisanten, auf die Insel flossen hohe Geldsummen.
Diese sollten zur Verwirklichung eines nächsten Vorhabens verwendet werden – der Gründung einer indianischen Universität, indianisch aber nicht nur aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit der Lehrer und Schüler, sondern insbesondere im Hinblick auf die Lehrkonzeptionen. Diese Lehrstätte sollte wiederum die Geschichte Amerikas aus der Sicht der Indianer studieren und die traditionelle indianische Philosophie weiterentwickeln, die auf der engen Verbindung des Menschen mit der Natur und seiner Umwelt beruht.
Die Universität sollte den Namen >Universität des Sturmvogels<, des sagenumwobenen Vogels der amerikanischen Legenden, tragen.
Des weiteren sollte auf der Insel ein eigenes Informationszentrum, eine Art Pressebüro der amerikanischen Indianer, ferner eine Redaktion für alle indianischen Zeitungen sowie eine indianische Bibliothek eingerichtet werden.
Der verbliebene Leuchtturm sollte in eine Art indianische Freiheitsstatue verwandelt werden.

Die weitreichenden Pläne der >Indians of All Tribes< wurden somit sehr konkret.
Auf die Insel wurde nicht nur Geld geschickt, viele Angehörige der American Natives pilgerten selbst zur Insel. In den Jahre 1969/70 kamen etwa 20000 von ihnen.
Seminolen aus Florida, Naskapi aus New Quebec, Araukaner aus Südchile und Eskimos aus dem Norden Kanadas und Vertreter vieler anderer Stämme .

Die Führer der Operation Alcatraz – Richard Oakes, ein Mohawk und von Beruf Stahlarbeiter in einem Stahlwerk, John Trudell, Angehöriger eines Lakota Stammes, Carol Williams vom Stamm der kalifornischen Yurok und Grace Thorpe, eine Sauk , sie haben im indianischen Amerika große Popularität erlangt.
Fast zwei Jahre lang lebten diese mit ihren Familien und natürlich auch anderen Natives auf Alcatraz.
Erst dann, als die Indianer den Kompromissvorschlag der Behörden zur Schaffung eines mit musealen Gegenständen geschmückten Indianerparks auf Alcatraz ablehnten, sind sie durch die Bundespolizei von der Insel „verwiesen“ worden.
Aber Alcatraz war bereits zum Symbol einer neuen Variante der Lösung des Indianerproblems geworden, ein Beispiel, wie man auf das Wesen des Indianerproblems hinweisen, wie man die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit auf dieses Problem hinlenken kann.

Nach der Aktion Alcatraz folgten mehrere Jahre immer wieder „Rückwanderungsversuche“ von Natives auf früher verlorenes Land.
Aber erst die Ereignisse um Wounded Knee, Ende Februar 1973, fanden wieder ein so weltweites Echo wie Alcatraz...

Morning Star
Morgen-das ist der erste Tag vom Rest Deines
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Morning Star« (27.10.2012, 11:31)


wasicun-win

unregistriert

2

16.08.2008, 08:10

Sehr interessant geschrieben Mornig Star Danke..


l.g.

wasicun-win

FeelingCrowWoman

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3

16.08.2008, 12:04

Hallo Morning Star,

wieder mal eine schöne Zusammenfassung eines/iger Ereignisse. Danke schön dafür. :)

Wer noch mehr über dieses nachlesen möchte, schaut hier:
http://www.alcatrazhistory.com/

eine Deutsche Seite, auch nicht schlecht die Beschreibung

http://www.westkueste-usa.de/2007/mn_San…z_East_Road.htm

Wem der Vertrag von Fort Laramie 1868 interessiert, hier ein Link dazu, wo der
Englischer Originaltext steht und dann vom Web her die Übersetzung.

http://translate.google.de/translate_s?q…&ct=search_link

LG
FeelingCrowWoman ;)



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besteht darin, dem anderen Verständnis
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Dalai Lama

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4

16.08.2008, 20:17

Mithilfe

Hallo FeelingCrowWoman,

danke für die Einstellung der ergänzenden Links und Deiner Hilfe bei
der Richtigstellung der Jahreszahl :)

Gruß Morning Star
Morgen-das ist der erste Tag vom Rest Deines
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5

05.09.2009, 10:34

Photo Collection

zum Thema noch ein Link mit Fotos der damaligen Aktion(Photo Collection)
Beeindruckend ist hierbei unter anderem die Teilnahme so vieler indianischer
Nationen

http://www.csulb.edu/~gcampus/libarts/am…traz/index.html


Gruß Morning Star
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6

27.10.2012, 11:24

Erstbesetzung von Alcatraz

Anlässlich des Todes von Russel Means möchte ich auf ein sicherlich weniger bekanntes Schlüsselereignis in
seinem Leben hinweisen.

Anfang der 1960 er Jahre war Means zu der Überzeugung gelangt, dass alle mündlichen oder schriftlichen
"Verhandlungen" mit den US - Behörden zu keinen durchgreifenden Verbesserungen zugunsten der Natives
führen würden. Means gelangte zu der Überzeugung, dass nur "praktisch" durchgeführte Aktionen zu einer
Durchsetzung politischer Ziele führen würde. Die erste "praktische" Konfrontation mit den Behörden war für
Means die Erstbesetzung von Alcatraz in 1964.

Nachdem die Insel als Gefängnis im Vorjahr von den Behörden aufgegeben wurde, beriefen sich einige
Sioux an den Vertrag von Fort Laramie in 1868. Ein Vertragspunkt dieses Vertrages sieht vor, dass
Bundesland, welches von der Regierung aufgegeben oder nicht mehr genutzt wurde, den Indianern
zurück gegeben wird, sofern es ihnen ursprünglich gehörte.

Diesen Vertragspunkt machten sich Anfang März in 1964 fünf Sioux, darunter Means und sein Vater,
zunutze, um die Insel Alcatraz von der US - Regierung zurück zufordern. Diese Erstbesetzung von Alcatraz
dauerte nur etwa vier Stunden, nach diesem Zeitraum wurden die Sioux von der Küstenwache aufgefordert,
die Insel zu verlassen. Natürlich hatten die Sioux in Kalifornien kein Recht, aufgegebenes Bundesland
zurück zufordern, aber die Aktion war ein Schlüsselerlebnis für Russell Means als auch die spätere
Wiederbesetzung der Insel in 1969.

Morning Star
Morgen-das ist der erste Tag vom Rest Deines
Lebens

7

27.10.2012, 13:48

Hallo FeelingCrowwoman der link war nicht so ganz richtig deshalb hier eine mit Fakten und Hintergründe die zur Aktion geführt haben. Ferner muss mann auch berücksichtigen das es die Zeit der Bürgerrechtsbwegungen wo die AIM sich mit einreihen konnten.

Die erste Besetzung von Alcatraz durch Indianer fand am 9 März 1964 durch fünf Angehörige des Lakota Stammes statt. Sie boten der Regierung in Washington an, die Insel für 47 Cent pro Acre zu kaufen; dem gleichen Preis, den die damalige Regierung den Indianern als Entschädigung für die Enteignung während des Kalifornischen Goldrauschs gezahlt hatte. Dies wären nach damaligem Wert $9,40 gewesen. Am Ende des Tages wurde diese erste Besetzung von Bundespolizisten beendet, doch die Idee der Inanspruchnahme der Insel als indianisches Land sollte weiterbestehen.

Um die Situation der Indianer in den Vereinigten Staaten besser zu verstehen werfen wir einen kurzen Blick auf ein paar ernüchternden Zahlen aus dem Jahre 1968. Das durchschnittliche jährliche Einkommen eines Indianers betrug damals $1.500 - das sind nur 25% des nationalen Durchschnitts. 50.000 Indianer lebten in Baracken, viele in ihren Autos. Diese Lebensumstände wirkten sich auch dramatisch auf die durchschnittliche Lebenserwartung aus. Während der Amerikaner 65 Jahre als wurde lag das zu erwartende Alter eines Indianers bei gerade mal 44 Jahren. Hinzu kamen historische Unglaublichkeiten. Von den 371 Verträgen, die die US-Regierung mit den verschiedenen Indianerstämmen abgeschlossen hatte, wurden genau 371 gebrochen. Mit dem Termination Act von 1953 wurden 109 Stämme aufgelöst und 1.326.155 acres Land beschlagnahmt. Vor diesem Hintergrund kann man verstehen, dass aus Sicht der Ureinwohner dringend Handlungsbedarf bestand. Aus diesem heraus sollte sich am 9. November 1969 eine weltweit mit Aufmerksamkeit verfolgte historische Entwicklung ableiten.

Dann nämlich erschien eine Gruppe von Vertretern der großen Nachrichtendienste am Pier 39. Sie waren von Adam Norwall (später Adam Fortunate Eagle), einem Geschäftsmann der Chippewa Indianer, herbeigerufen worden. Er hatte seit 1962 die führende Rolle im Kampf der amerikanischen Indianer um Anerkennung übernommen. Nun sollten die Reporter der Besetzung Alcatraz' beiwohnen. Begleitet von einer farbenprächtigen Gruppe von etwa 75 Indianern der "Indians of All Tribes" warteten sie am Pier auf die Ankunft der fünf gecharterten Boote. In einem lange vergessenen Vertrag der Union mit den Sioux aus dem Jahre 1868 war es den Indianern zugesichert worden, dass nicht mehr benötigtes Land der Union wieder an die Indianer zurückgegeben würde. Nachdem nun das Bundesgefängnis Alcatraz geschlossen war und die Insel somit brach lag (was die Bundesregierung in Dokumenten auch als überzähliges Bundesland auswies) war diese Folgerung nicht abwegig. Doch zunächst gab es ein ganz anderes Problem: die Boote kamen nicht. Nordwall entdeckte ein Touristenschiff namens Monte Cristo; ein Segelschiff wie aus einem Hollywoodfilm. Captain Craig trug ein weißes, gekräuseltes Hemd und eng anliegende Hosen; es hätte Errol Flynn sein können. Er willigte ein, die Indianer auf die andere Seite der Insel zu befördern. Eine direkte Landung wäre jedoch wegen der Kieltiefe nicht möglich. Beim Ablegen feuerte die Monte Cristo ihre Kanonen und die Zuschauer an Bord jubelten. Gefolgt von kleinen Pressebooten fuhren die Indianer nach Alcatraz. Die symbolische Inanspruchnahme war dem jungen Mohawk-Indianer Richard Oakes jedoch nicht genug. Er sprang über Bord und schwamm zur 250 yards entfernten Insel. Vier weitere Männer folgten, und die Besetzung der Insel hatte tatsächlich stattgefunden. Einige Stunden später sollten sie Alcatraz wieder verlassen, doch sie schwörten wiederzukehren. Am 20. November 1969 kamen sie zurück und besetzten The Rock 19 Monate lang. Der Medienrummel war enorm.

Schon am 23. November 1969, kurz nach dem Beginn der 19-monatigen Besetzung, beauftragte die Bundesregierung die Küstenwache mit der Errichtung einer Blockade, um den Nachschub an Vorräten abzuschneiden. Dies erwies sich jedoch als uneffektiv. Der Zuspruch und die Unterstützung durch die Bevölkerung war groß, Spenden trafen aus allen Schichten der Gesellschaft ein. Trotz Blockade besuchten insgesamt rund 15.000 Indianer Alcatraz während dieser Zeit. Am 27. November war bereits ein Stammesrat gewählt, ein Kindergarten, eine Schule, eine Klinik und sogar eine Sauna errichtet. Alle Entscheidungen wurden einhellig gefasst. Am Erntedanktag wurde ein großes Fest veranstaltet, unterstützt durch kostenloses Essen von Restaurants der Bay Area. Rund 700 Indianer wohnten nun auf der Insel. John Trudell, bekannt als "Voice of Alcatraz" begann mit seinen regelmäßigen Nachrichtensendungen "Radio Free Alcatraz", mit der er die Öffentlichkeit über die Geschehnisse auf der Insel informierte. Beschwerliche Verhandlungen mit der Bundesregierung beginnen. Die Indianer wollen die Insel offiziell erwerben, wo sie eine amerikanisch-indianische Universität, ein Kulturzentrum und ein Museum errichten wollen. Hierfür fordern sie $472.000. Die Regierung lehnt ab und bietet eine Entschädigung in Höhe von $50.000. Die Gespräche scheitern. Doch um keine Konfrontation zu provozieren entschließen sich die Diplomaten zu einer Hinhaltetaktik. Die Bevölkerung ist immer noch auf Seiten der Indianer. Doch im Laufe der Zeit verblasst das Interesse und andere Dinge rücken in den Fokus der Öffentlichkeit; die Taktik geht auf. Im Januar 1970 müssen viele der Indianer, die Studenten sind, die Insel verlassen um ihr Studium durch Fernbleiben nicht zu gefährden. Tragischerweise stirbt am 5. Januar 1970 die 12-jährige Stieftochter von Richard Oakes durch einen Treppensturz, weswegen er mit seiner Familie die Insel ebenfalls verlässt. Kurz darauf beginnt die Presse, Geschichten über Führungskonflikte, Drogenkonsum und kriminelle Machenschaften auf der Insel zu veröffentlichen. Die Stimmung in der Bevölkerung beginnt zu kippen. Um die Lebensbedingungen der Besetzer weiter zu verschlechtern und damit den Druck zu erhöhen beschließt die Regierung im Juni 1970, die Elektrizitätsversorgung einzustellen und das Transportschiff für Trinkwasser zu beschlagnahmen. Drei Tage danach bricht unter mysteriösen Umständen ein Feuer aus, das das Gebäude des Gefängnisleiters, ein Wohnhaus, das Leuchtturmwärterhaus und den Offiziers Club zerstört. Am 11. Juni 1971 befiehlt Präsident Richard Nixon die zwangsweise Entfernung der Indianer von Alcatraz, damit der Leuchtturm repariert und damit die öffentliche Sicherheit wieder hergestellt werden kann. Eine Truppe bewaffneter Bundesmarschalls, Polizisten und FBI-Agenten landete auf Alcatraz und begleitete die verbliebenen 15 Besetzer, darunter fünf Frauen und vier Kinder, friedlich von der Insel.

Obschon die Forderungen der Indianer nicht erfüllt wurden, hat die Besetzung doch ihren Zweck erfüllt, nämlich die Öffentlichkeit auf die vielen Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen gegenüber den Ureinwohnern aufmerksam zu machen. Auch hatte es Signalwirkung auf alle Indianer im Land, die ihren Stolz zurückerlangten. Während und nach der Alcatraz-Besetzung gab es weitere 72 Besetzungen von bundeseigenen Einrichtungen und Land. Der größte Erfolg war jedoch ein generelles Umdenken in der amerikanischen Politik, die nun den Indianern ein Selbstbestimmungsrecht einräumte und das einst konfiszierte Land an die Stämme zurückgab. Am 8. Juli 1970 unterzeichnete Präsident Richard Nixon den Indian Self-Determination Act, der den Termination Act von 1953 aufhob. 130.684 acres indianischen Landes wurden zurückgegeben. In einem separaten Abkommen wurden die Navajo Indianer für 40 Millionen acres beschlagnahmten Landes entschädigt.

Zu den während der Besetzung durch die Presse behaupteten Vorwürfe der Kriminalität wurde übrigens später eine 18-monatige Untersuchung durch das FBI durchgeführt. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass es nur ein einziges Verbrechen während der Besatzung gab: zum Auffüllen der Vorräte und Nahrung während der Blockade hatten drei Indianer 1.665 Pfund Kupferdraht abmontiert und als Schrott für $600 verkauft.

8

27.10.2012, 13:53

ES gibt im Deutschlandfunk einen sehr guten Bericht und ohne Pathos

Indianer besetzten vor 35 Jahren die amerikanische Gefängnisinsel Alcatraz Von Ralf Geißler

Die Bucht von San Francisco - nur wenige Meilen vor der Küste liegt die Insel Alcatraz. Jahrelang stand hier ein berüchtigtes Gefängnis. Die schwersten Verbrecher Amerikas saßen auf Alcatraz ein: Al Capone, Machine Gun Kelly, Alvon Karpis. Doch 1963 wurde das Gefängnis aufgelöst. Wenige Jahre später zog der Indianer Richard Oakes nach San Francisco.

Als ich in die Stadt kam, waren die Zeitungen voller Ideen, was man aus Alcatraz machen könnte. Einer schlug vor, eine Art Raumfahrtmuseum zu gründen. Ein anderer wollte eine Zuchtstation für Tauben einrichten. Es gab den Vorschlag, einen Park aus der Insel zu machen, und jemand wollte ernsthaft einen Friedhof auf Alcatraz errichten. Und ich dachte nur: Warum zur Hölle soll die Insel für die Toten sein? Warum nicht für die Lebenden?

Oakes kam der Gedanke, die Gefängnis-Insel für die Indianer Nordamerikas zu besetzen. Sie fristeten damals ein schlechtes Leben. Die US-Regierung hatte viele gezwungen, ihr Land zu verlassen und in die Städte zu ziehen. Die Lebenserwartung der Indianer lag 1969 zwanzig Jahre unter dem US-Durchschnitt. Am Abend des 9. November bestieg Richard Oakes mit Freunden eine Fähre. Als das Schiff ganz nah an Alcatraz vorbeifuhr, sprangen sie ins Meer und schwammen zur Insel. Sie erklärten Alcatraz zu indianischem Gebiet.

Die Küstenwache brachte die Indianer schon einen Tag später wieder zurück. Doch Oakes wusste nun, dass die US-Regierung keine Gewalt gegen sie einsetzen würde. Mit etwas mehr Menschen war es möglich, die Insel dauerhaft einzunehmen. An den Universitäten Kaliforniens überzeugte Oakes indianische Studenten zu einem Eroberungszug. Daraufhin besetzten fast 80 Indianer Alcatraz und verfassten eine Proklamation.

An den Weißen Mann und seine Leute:
Wir werden die Insel Alcatraz kaufen: für 24 Dollar in Glasperlen und rotem Stoff. Das ist der Betrag, den ein Weißer für ein ähnliches Stück Land vor 300 Jahren einem unserer Vorfahren zahlte. Wir wissen natürlich, dass 24 Dollar für diese 16 Acker weit mehr sind als uns einst für Manhatten Island gegeben wurde. Aber wir verstehen auch, dass die Preise für Land über die Jahre gestiegen sind.

Die US-Regierung versuchte, die Indianer zum Aufgeben zu bewegen. Doch das gelang ihr nicht. Sympathisanten schickten Boote mit Lebensmitteln und Bekleidung nach Alcatraz. Immer mehr Indianer kamen aus ganz Amerika. Teilweise lebten mehrere hundert Menschen auf der Insel. Es wurde ein Rat gewählt. Jeder erhielt eine Aufgabe. Die Jungen fischten und kochten. Die Alten organisierten eine Schule für die Kinder.

Wir sangen viel in diesen Tagen. Ich erinnere mich an die Feuer in der Kälte der Nacht. Wir saßen im Kreis und sangen die Lieder, welche die Weißen nicht kennen. Viele alte Prophezeiungen besagten, dass die Jüngeren von uns eines Tages einen Weg finden werden, wieder ein Leben als Indianer zu führen. Vom Stamm der Hopi ist eine Geschichte überliefert, dass unsere Leute immer weiter nach Westen vertrieben werden. Aber wenn sie den westlichsten Punkt erreicht hätten, würden sie das Land zurück erkämpfen, das ihnen gestohlen wurde.

Die Medien berichteten intensiv über die Besetzung. Nicht zuletzt deshalb willigte die US-Regierung in Verhandlungen ein. Die Indianer forderten eine eigene Universität und ein Kulturzentrum auf Alcatraz. Doch die Gespräche zogen sich hin. Nach Wochen ergebnisloser Diskussionen kehrten viele der Erstbesetzer zurück an ihre Universität. Die Gemeinschaft zerfiel zusehends. Den schwersten Schlag erlitt sie, als Richard Oaks Tochter auf der Insel eine Treppe herunterfiel und starb.

Ihr Tod überzog die gesamte Insel mit tiefer Traurigkeit. Er brachte all die Zweifel zurück, die wir während des Alcatraz-Abenteuers unterdrückt hatten. Es gab jederzeit die Möglichkeit von Rückschlägen, wie bei jeder großen Bewegung.

Oakes verließ die Insel. Daraufhin brach Chaos aus. Rivalisierende Gruppen stritten um die Führung. Die Unterstützung der Medien und der Bevölkerung schwand rapide. Die US-Regierung klemmte Strom und Wasser ab. Im Juni 1971 zwangen Einsatzkräfte die letzten Indianer zur Aufgabe. Fast 19 Monate hatte die Besetzung gedauert. Einer der Teilnehmer resümierte viele Jahre später.

Wir haben Alcatraz verloren, aber etwas Größeres bekommen. Nationale Aufmerksamkeit für die Probleme der Indianer.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »huskywolf« (27.10.2012, 13:57)


FeelingCrowWoman

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9

27.10.2012, 19:26

Zitat

Original von huskywolf
ES gibt im Deutschlandfunk einen sehr guten Bericht und ohne Pathos



hier ist der Link zu dem Bericht :D

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kalenderblatt/318969/

LG
FeelingCrowWoman



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Dalai Lama

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