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27.10.2012, 22:47

Auf einmal wollen sie alle Indianer sein

Aus der Saarbrücker Zeitung (Veröffentlicht am 26.11.2011)


St. Anthony. Selbst Manitu dürfte sich wundern, was sich derzeit in den ostkanadischen Jagdgründen abspielt. Zehntausende von Weißen auf der Insel Neufundland finden plötzlich heraus, dass sie indianische Vorfahren haben. Über Jahrzehnte erkannte die kanadische Regierung Indianer in Kanadas jüngster Provinz nicht an, weil nie ein Vertrag abgeschlossen wurde. Deshalb erhielten diese Eingeborenen auch keine finanzielle Hilfe wie andere kanadischen Indianer. Doch jetzt will Ottawa endlich das historische Versäumnis nachholen und spendabel werden.

Womit niemand rechnete: Es gibt offenkundig viel mehr Indianer in Neufundland, als die Regierung sich träumen ließ. Denn überall erscheinen nie gekannte oder gut versteckte indianische Ahnen in den Stammbäumen. Ausgelöst hat dieses Phänomen ein im September gegründeter Indianerstamm in Neufundland. Der neue Qalipu-Stamm ist das Sammelbecken von Mi'kmaq-Indianern und jetzt auch von Bleichgesichtern, durch deren Adern indianisches Blut fließt, wenn auch verdünnt. Ob die Zuschüsse aus Ottawa locken oder die Chance, ein echter Ureinwohner zu sein - Tatsache ist, dass Neufundländer in Scharen ihre indianische Vergangenheit ausgraben. Der Zulauf zum Qalipu-Stamm ist enorm. Über 29 000 Neufundländer, darunter viele "Weiße", haben sich bereits als Mitglieder beworben. Ein Rekord ist in Sicht, und Qalipu-Häuptling Brendan Sheppard freut sich: "Die Qalipu könnten der größte Indianerstamm Kanadas sein, wenn die Anmeldefrist im November 2012 ausläuft", sagt er.

Der Finanzberater Keith Cormier aus Corner Brook hätte sich nie träumen lassen, dass er eines Tages auf der Bühne ein Weihnachtslied in der Sprache der Mi'kmaq-Indianer singen würde. Fast sein ganzes Leben lang hat er sich für einen Weißen gehalten. Aber eines Tages hatte ihn ein Cousin besucht und ihm eröffnet: "Du bist ein Indianer." Der 60-jährige Cormier war aus allen Wolken gefallen. Der Cousin, ein Regierungsbeamter im Ruhestand, hatte herausgefunden, dass seine Familie indianische Vorfahren hat.

Cormier hat es zuerst gar nicht geglaubt: "Ich war verblüfft und benommen", sagt er. Kein Wunder - Neufundland gilt als der irischste Ort der Welt - außerhalb Irlands natürlich. Und viele Indianer gab es auf dieser Insel, die so groß wie Bayern ist, auch nicht gerade. Daran waren die Bleichgesichter schuld. Der Stamm der Beothuk-Indianer wurde im 19. Jahrhundert durch die Besiedlung der Europäer ausgelöscht. So blieb nur noch ein Häufchen Mi'kmaq-Indianer. Doch als Neufundland 1949 als letzte Provinz zu Kanada stieß, taten die Weißen so, als gehörte ihnen die Insel. Die Mi'kmaq wurden im Abkommen mit der kanadischen Regierung überhaupt nicht erwähnt. "Sie wurden praktisch aus der Geschichtsschreibung getilgt", sagt die Anthropologin Angela Robinson aus Corner Brook. Seither kämpften diese Indianer, die sich oft mit den Weißen vermischten, darum, von der Regierung in Ottawa als Stamm - in Kanada "First Nation" genannt - anerkannt zu werden. Und Unterstützung zu erhalten. Kanadischen Indianern bezahlt die Regierung beispielsweise die Universitätskosten der Kinder oder Auslagen für Zahn- oder Augenarzt. Vor vier Jahren machte Kanadas Regierungschef Stephen Harper den ersten Schritt Richtung Anerkennung. Damals rechneten die Behörden mit rund 8700 Indianern in Neufundland. Heute, nach der Stammesgründung der Qalipu im September, sind aber schon mehr als 21000 Bürger als Mitglieder des neuen Stammes genehmigt. Bedingung ist, dass man indianische Vorfahren nachweisen kann, die vor 1949 in Neufundland lebten.

Aber die Frage steht im Raum, warum es nun plötzlich so viele Neufundländer eilig haben, sich als Indianer zu bekennen. Ist es die Entdeckung des indianischen Erbes? Oder sind es die Hilfsgelder der Regierung für registrierte Indianer, wie die Zeitung National Post spekulierte? Die Regierung in Ottawa rechnet schon jetzt mit Mehrkosten von mindestens 37 Millionen Euro jährlich. Keith Cormier glaubt, dass manche Neufundländer gar nicht wissen wollten, ob sie Indianer seien. Für andere sei die Entdeckung wahrscheinlich ein Schock gewesen. Aber die meisten freuten sich, meint er. Er selber schlägt die Trommel und nimmt an Pow Wows teil. "Eine völlig neue Welt hat sich für mich aufgetan", sagt er.
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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »huskywolf« (27.10.2012, 22:50)


Desperado

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Beruf: Geschichtenerzähler

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15.11.2017, 10:55

Wenn Jimi Hendrix noch leben würde, könnte er ja bei der Gelegenheit ein freies Freiluftkonzert geben auf Neufundland. Seine Oma war immerhin eine waschechte Cherokee. 8)

Andrerseits hab ich nichts gegen Willy Michl. Oder andere Menschen europäischer Abstammung, die sich tief im Innern als Indianer fühlen, ob nun mit oder ohne Initiation. Ich denke, das ist Jedem selbst überlassen, die Möglichkeit besteht, auch auf metaphysischer Ebene. Was mit der Vernichtung indianischer Welt und der Ermordung ihrer Menschen an nicht gelebter Energie und nicht verwirklichter Zukunft frei gesetzt wurde seinerzeit, hat zweifellos globale Dimension, so dass jeder Mensch egal woher, der diesen verhallten Ruf hört und die persönliche "Erwählung" zur Fortführung und Umsetzung indianischer Denk- und Lebensweise erfährt auf welchem Wege und welche Weise auch immer, sich als "adoptiert" erleben und wissen darf. Auch das ist wiederbelebte indianische Tradition.

Ich selbst habe diese spirituelle "Ergreifung" nicht in der Intensivität erfahren, eine "rote Seele" erhalten zu haben, aber ich nehme Menschen ernst, die auf eine solche verweisen können. In meinen Augen sind sie Alles andere als Spinner und Fantasten, dafür ist allein der historische Hintergrund zu ernst. Es ist nämlich zugleich ein Versuch von Schuldbegleichung, zum Indianer zu werden. Übernommene Verantwortung gewissermaßen. Es gibt überall Indianer, auch in Deutschland, daran besteht für mich kein Zweifel.

In diesem Sinne: Carry on!
Desperado

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Desperado« (16.11.2017, 10:30)


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