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04.12.2014, 19:49

150 Jahre Sand Creek, Geschichtsaufarbeitung in den USA

Hallo,

letztes Wochenende fanden am Ort des Massakers von Sand Creek mehrere Gedenkveranstaltungen statt. Morgens war den Angeghörigen der Cheyenne und Arapaho vorbehalten, die dort ein Gedenkritual unter Ausschluss der weiteren Öffentlichkeit abhielten. Später gab es dann noch Gedenkveranstaltungen für die Allgemeinheit, an die sich der seit 15 Jahren übliche Spritual Healing Run anschloss, ein 180-Meilen-Staffellauf der Jugendlichen der Cheyenne und Arapaho vom Ort des Massakers bis ganz nach Denver, wo man am Grab von Silas Soule und auf den Stufen des Colorado Capitols Station macht.

Die Nachfahren der Überlebenden von Sand Creek halten Silas Soule und Joseph Cramer in hohem Ansehen. Beide machten nicht nur mit Ihrer Weigerung zu schießen, ihren anschließenden Whistleblower-Briefen und Aussagen vor Untersuchungsausschüssen Geschichte als moralische Zeugen, sie haben ganz einfach auch hunderte von Menschenleben gerettet. Mir jedenfalls ist dieser Aspekt erst in den letzten Tagen so richtig klar geworden. Soule und Cramer befehligten jeweils eine ganze Kompanie Soldaten. Ihre beiden Kompanien der 1st Volunteers hatten bereits Kampferfahren seit '61, waren im Vergleich Veteranen und diszipliniert, wasbem auf 100 Tage rekrutierten Mob der 3. Kavallerie eben gänzich anders war. Hunderte von fliehenden Dorfbewohnern passierten die Kompanien von Soule und Kramer, die perfektes Schussfeld hatten. David Friedjof Halaas, für ein Jahrzehnt Chefhistoriker des National Park Service und heutzutage historischer Berater der Northern Cheyennes meint, ohne die Gewissensentscheidung von Soule und Cramer hätte es bei diesem Massaker keine Überlebenden gegeben. Während ich das für vermutlich etwas dramatisiert halte (die Dorfbewohner flohen wohl nicht alle über die gleiche Route), ist sein Punkt ein sehr wichtiger. Die Cheyennes danken es Soule jedes Jahr.

Auf den Stufen des Capitols entschuldigte sich Gouverneur Hickenlooper im Namen des Staates Colorado bei den Cheyennes und Arapahos für das Massaker. Er ist der erste Gouverneur von Colorado, der das tut. Es hat 150 Jahre gedauert...

http://www.denverpost.com/news/ci_270600…-creek-massacre

Hockenlooper sagte u.A.: "Wir sollten keine Angst haben, das was unentschuldbar ist, zu kritisieren und zu verdammen... Im Namen des Staates Colorado will ich um Entschuldigung bitten" ["We should not be
afraid to criticize and condemn that which is inexcusable. ... On behalf
of the state of Colorado, I want to apologize"]

Während Indianerfans und Geschichtsinteressierte gewöhnlich mit dem Sand Creek Massaker vertraut sind, scheint dies und der gesamte Colorado War von 1864 vielen Menschen, die heute in dem weitestgehend ethnisch gesäuberten Staat leben, ziemlich unbekannt zu sein. Diesen Eindruck habe ich jedenfalls in Fernsehanmoderationen im örtliche Fernsehen von Denver bekommen, wo allerdings sehr informative Interviews und Dokumentationen zu sehen waren.

Hier ist die Doku von Rocky Mountain PBS:

http://video.rmpbs.org/video/2365379662/



Die Universität Denver, deren Keimzelle von Gouverneur Evans vor ebenfalls 150 Jahren gegründet wurde, hat eine absolut lesenswerte Studie zur Neubewertung von Evans' politischer Verantwortung für den Krieg und das Massaker veröffentlicht.


Hierein Interview mit den Autoren der DU Studie:

http://youtu.be/fC_dX07_1V4
http://dailynorthwestern.com/2014/11/04/…s-for-massacre/

Und hier ist der Report selbst:

http://portfolio.du.edu/evcomm/page/52699

harty

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Beiträge: 789

Wohnort: Bratwurst- und Brätelland Thüringen

Beruf: PC-Techniker

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2

05.12.2014, 10:59

Hallo Flashman,
vielen Dank fürs reinstellen. :thumbsup:
Es wurde wirklich Zeit für eine Entschuldigung.
harty

Beiträge: 799

Wohnort: Sömmerda

Beruf: Busfahrer

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3

05.12.2014, 18:46

Lieber spät als nie
Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische.
Karl Valentin (1882 - 1948 ) Münchner Querdenker und Wortkünstler

Und für das komische bin ich verantwortlich :D

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