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21

13.08.2006, 23:14

Hallo Leutz,
hab auch mal gegoogelt,und hab eigentlich zu Kannibalismus ? in der neuen Welt (Kariben) Amerika nur etwas zu Quellen aus dem 16.oder 17.Jahrhundert bekommen.Damals war es Gang und gebe der heimatlichen Welt Berichte aus den neu entdeckten Gebieten zu schicken die den Menschen in der Heimat die Schauer durch die Körper trieb.Damit wurde auch die Versklavung der Menschen in den neuen Gebieten gerechtfertigt. Bei den Maya´s " soll " es angeblich laut spanischer Chronisten rituellen Kannibalismus gegeben habe aber auf Nordamerikanischen Boden ,da kann ich absolut keine Beweise finden.Die frühen Entdecker der neuen Welt neigten auch gerne zu übertreibungen anhand der Sitten und Gebräuche der Völker anderer Kulturen.Wenn Menschenfleisch in Nordamerika gegessen wurde dann bestimmt nicht in rauhen Mengen das ganze Körper ( lecker schmakofatz ) verspeißt wurden,höchstens das Herz oder Blut. Berichte über Kannibalismus finden sich auf der ganzen Welt aber in den meisten Fällen fand Kanniballismus auf Grund einer Hungersnot statt. Verbrieft allerdings ist ritueller Kannibalismus bei den Bewohnern Papua-Neugineas, den Kariben, der Südsee und in Afrika bei einigen Stämmen,aber nicht in Nordamerika.
LISTEN TO THE ELDERS !
Dad hots fruier nit geweh !

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Tipidancer« (13.08.2006, 23:15)


22

13.08.2006, 23:43

Zitat

Original von Tipidancer
Bei den Maya´s " soll " es angeblich laut spanischer Chronisten rituellen Kannibalismus gegeben habe

hi Tipi.
danke fürs googeln :)
gerade bei den Mayas kann ich es mir nicht vorstellen. Sog. "Menschenopfer" unterscheide ich von dem Thema hier...

Zitat


aber auf Nordamerikanischen Boden ,da kann ich absolut keine Beweise finden.

hatten wir sogar schon mal hier... unter „Zeremonien und Bräuche“ :)
http://bodo.subdomain.de/Karankawa

Zitat


Wenn Menschenfleisch in Nordamerika gegessen wurde dann bestimmt nicht in rauhen Mengen das ganze Körper ( lecker schmakofatz )

seh ich auch so :D

Zitat


Verbrieft allerdings ist ritueller Kannibalismus bei den Bewohnern Papua-Neugineas, den Kariben, der Südsee

Kenn wie gesagt auch eine (Reise-)Erzählung - mit "Bewirtung". ;) *g*

23

14.08.2006, 06:56

nach neuen Erkenntnissen aßen die Anastasi Menschen, sei es aus Religiösen oder anderen Umständen. Dies wurde bei Grabungen endeckt.

Gruß Simon

Durus

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24

20.08.2006, 00:32

Menschenfresserei

Ok, Ihr ungläubigen "Thomasse"
hier einige Zitate:

Aus: Kannibalismus bei den nordamerikanischen Indianern und Eskimo
Herman Schöppl v. Sonnwalden, Verlag für Anmerikanistik

S. 30
...
Der holländische Geistliche Megapolensis, ein Zeitgenosse von P. Jogues, in Fort Orange lebend, bestätigte alle Berichte von P. Jogues über die Menschenfresserei der Irokesen 33):
„Das gewöhnliche Volk ißt die Arme, aber die Häuptlinge essen den Kopf und das Herz. "
Vimont, von Parkman zitiert, schildert das traurige Ende einer Algonkinbande. Diese zog 1641 von Three Rivers zur Winterjagd los und wandte sich aus Furcht vor den Irokesen nach Norden in die Tiefen der Wälder an. die Grenzen des Ottawagebietes. Trotzdem entdeckte eine Irokesenschar - Entfernungen spielten bei Indianern nie eine Rolle - aufgrund der Schneeschuhspuren die ahnungslosen Algonkin. Um Mitternacht wurden sie überfallen und gefangengenommen.
„In wenigen Minuten waren diese alle in ihrer Gewalt. Sie knebelten die Gefangenen an Händen und Füßen, schürten das Feuer, hingen die Kessel an, zerschnitten die Körper der Erschlagenen in Stücke und kochten und verschlangen sie vor den Augen der elenden Überlebenden. Mit einem Wort, sie aßen Menschen mit so großem Appetit und mit mehr Vergnügen als Jäger einen Eber oder ein Hirsch verzehren."34)
Einem alten Algonkin und zweien seiner Stammesgenossinnen gelang es, zu entfliehen und unter unsäglichen Mühen Three Rivers zu erreichen, wo sie den Franzosen von dem Geschehen Kunde gaben.
Auf dem Heimweg banden die Irokesen die überlebenden Kinder an hölzerne Spieße, rösteten sie langsam und verspeisten sie vor den Augen ihrer entsetzten Mütter, von denen eine sich das Leben nahm, eine andere jedoch die Flucht ergreifen konnte.
P. Viemont schilderte eingehend hierauf den Tod eines tapferen Algonkinkriegers:
„Er trotzte ihnen bis zuletzt, und als der Tod ihn befreite, rissen sie sein Herz aus dem Leibe und bereiteten aus seinen verstümmelten Gliedern ihr Triumphmahl. "35)
Es wird auch berichtet, daß die Irokesen die zerriebenen Knochen eines neugeborenen Kindes einer Gefangenen verschluckten. 36) Der Jesuitenmissionar Peter Bressani mußte, 1644 von den Irokesen gefangen, mitansehen, wie diese sofort einen ihn begleitenden getauften Huronen, dem man den Namen Bertrand gegeben hatte, töteten, seinen Körper zerstückelten, das Herz und einige Fleischstücke rösteten und diese dann verschlangen. 37)
...

33 Parkmann
34 JR, X/229; Oswalt, 467 f.
35 Vivemont in Parkmann (3), 229; Vivemont in JR XXXVI
36 Wissler in Schöppl-Sonnwalden (1), 114
37 JR, XXVI/33, Parkmann (3), 233; Talbot, 302

Anm. von mir: JR heißt Jesuit-Relationen Travels and Explorations
of the Jesuit Missionaries in New France 1610—1791



und weiter geths:

Der Prediger C. Pyrläus, ein Zögling Conrad Weißer´s von welchem er die Sprache der Mohawk erlernte, in der Folge als Missionar an dem Mohawk – Fluss angestellt, macht in einem handschriftlichen Werke, welches zwischen 1742 und 1748 geschrieben worden, auf der 235-sten Seite folgende Anmerkung, die ihm (dem Inhalte nach) von angesehenem Oberhaupt jener Nation war mitgeteilt worden: "Die fünf Nationen aßen ehedem Menschenfleisch, sie aßen einmal den ganzen Körper eines königl, französischen Soldaten auf, sie sprechen: Eto niocht ochquari, d.h. Menschenfleisch schmeckt wie Bärenfleisch. Sie sagen gleichfalls: die Hände kann man nicht wohl essen, sie sind yozgarat, bitter".

Bejahrte Canadier aus dem französischen Gebiet haben mir vor vielen Jahren, als ich zu Detroit war, erzählt, dass sie häufig gesehen hätten, wie die Irokesen, das Fleisch der in der Schlacht Getöteten verzehrten, und das dies namentlich geschehen sei in dem Kriege zwischen den Franzosen und Engländern welcher gewöhnlich der Krieg von 1756 heißt.

Als am 5. Juli 1742 über einen Friedensvertrag im Hause des Eigenthumsherrn (Proprietor´s house) zu Philadelphia verhandelt wurde, erschien keiner von der Seneca Nation; da nach der Ursache dieses Ausbleibens gefragt wurde, erhielt man zur Antwort, eine Hungersnot herrschte in ihrem Gebiet, und ein Vater hätte sich genötigt gesehen, zwei seiner Kinder zu schlachten, um die übrige Familie beim Leben zu erhalten. "S. Colden´s History of the Live Nations part. II pag. 52 und die Akten jener Unterhandlung gedruckt zu Philadelphia von B. Franklin 1743. p.7. in der Sammlung der Verträge mit Indianern, welche sich in der Bibliothek der Amerikanischen Societät der Wissenschaften befindet (Lit.:Indianische Völkerschaften S. 39, 40)

reicht das erstmal?

Nein!

Ok, noch ein Buchtipp:

Claude Le Beau "Seltsame und neue Reise zu den Wilden von Nordamerika" S 250 ff. Eine Mahlzeit von Menschenfleich ...

"... ob man mir gleich allzeit gesagt hat, daß das Fleisch der Engelländer das beste sei.
..."

Beste Grüße

von einem Moh

eh - ich meine von Durus Mater

und guten Appetit

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Durus« (20.08.2006, 23:11)


Kiowa_Reenactor

unregistriert

25

20.08.2006, 02:14

ohh diese barbaren :)
danke dir durus für diesen einblick - jedoch glaube ich kaum das es nur die irokesen waren die in dieser zeit und auch vorher menschenfleisch aßen. gut wenn die hände bitter schmecken dann will ich das auch nicht probieren

26

20.08.2006, 14:03

Huhu Durus Mater :)
......mich schauderts *gruuusel* .......so schlimm hab ichs mir nich vorgestellt, zumal im 17. + 18 Jhd. :D
Hast du von der rituellen Variante gelesen in dem link o. zu den Karawanka? Den Original-Text jenes Geistlichen fand ich nicht weder in englisch noch in deutsch.
Könnte mir vorstellen, daß manche Gruppen "nur" eine abgeschwächte, rituelle Form kannten, viele wahrscheinlich ein solches Handeln überhaupt nich.

Anscheinend wurden Irokesen + Mohawk oiso nicht umsonst als "Menschenfresser" bezeichnet?

In den amerikanischen + kanadischen Weiten dürften sich viele versprengte Grüppchen getummelt haben, ehemals gestrandete Seefahrer, Geflohene, Verstoßene, Ausgewanderte neben länger Eingesessenen? (wahrscheinlich hat sich die Bevölkerungszahl irgendwann ähnlich explosiv entwickelt wie bei uns in den letzten 500 J.?) Entspr. unterschiedlich stell ich mir auch die Lebensweisen + Werte innerhalb dieser Gemeinschaften vor.

27

20.08.2006, 14:31

RE: Menschenfresserei

Zitat


Vimont, von Parkman zitiert, schildert das traurige Ende einer Algonkinbande. Diese zog 1641 von Three Rivers zur Winterjagd los und wandte sich aus Furcht vor den Irokesen nach Norden in die Tiefen der Wälder an. die Grenzen des Ottawagebietes. Trotzdem entdeckte eine Irokesenschar - Entfernungen spielten bei Indianern nie eine Rolle - aufgrund der Schneeschuhspuren die ahnungslosen Algonkin. Um Mitternacht wurden sie überfallen und gefangengenommen.


...Frage an die Experten hier :) wie kann man sich das Geschilderte vorstellen? - als die Gefangennahme eines Jagdtrupps - oder handelt es sich um die Überwältigung des gesamten Stamms? ("Band" heißt Stamm /Großfamilie?) Hatten die Jäger durch ihre Spuren den Irokesen den Weg zu dem Winterlager ihrer Großfamilie unbeabsichtigt gezeigt?
Weitere Frage: wie konnten die Algonkin so schnell + nahezu alle gleichzeitig gefangengenommen werden? Wohnten/schliefen sie in einem größeren Gebäude zusammen?

28

20.08.2006, 14:42

RE: Menschenfresserei

Zitat

Original von Durus Mater

reicht das erstmal?

Nein!

Ok, noch ein Buchtipp:

Claude Le Beau "Seltsame und neue Reise zu den Wilden von Nordamerika" S 250 ff. Eine Mahlzeit von Menschenfleich ...

"... ob man mir gleich allzeit gesagt hat, daß das Fleisch der Engelländer das beste sei.
..."

Beste Grüße

von einem Moh

eh - ich meine von Durus Mater

und guten Appetit


Waren die Irokesen nicht öfter mit den Engländern verbündet? Welcher Stamm könnte das gewesen sein ....der diese :D bevorzugte? (ernstgemeinte Frage) Durus Mater, gab es dazu mehr Hinweise?

lg

29

20.08.2006, 18:56

RE: Menschenfresserei

Zitat

Original von Durus Mater

Vimont, von Parkman zitiert, schildert das traurige Ende einer Algonkinbande.
(...)
P. Viemont schilderte eingehend hierauf den Tod eines tapferen Algonkinkriegers:
(...) 35)
(...)
Der Jesuitenmissionar Peter Bressani mußte, 1644 von den Irokesen gefangen, mitansehen, wie diese sofort einen ihn begleitenden getauften Huronen, dem man den Namen Bertrand gegeben hatte, töteten, seinen Körper zerstückelten, das Herz und einige Fleischstücke rösteten und diese dann verschlangen. 37)
...

33 Waldmann (2) S. 118
34 Boas, S.10, Waldmann (2) S. 118
35 Jeness, 338
36 Hodge (I), S 200
37 Leitch




......Fragen über Fragen ....... pardon Durus Mater für das Zerstückeln des Texts.
Wer war denn dieser P. Viemont, der das mitangesehen hat?.........vielleicht ein Missionar wie weiter u. Bressani?

30

20.08.2006, 19:15

......es fällt mir auf, daß es anscheinend (auch unter den Indis) so etwas wie Erb-Feinde gab? andererseits ein Fremder (wie der Jesuitenmissionar) durchaus überleben konnte, wobei im Fall des erwähnten Huronen eine friedliche Absicht oder das Geleit eines Freundes anscheinend kein Gewähr darstellte, zu sehr überwog da wohl die althergebrachte Stammes-Feindschaft?
Etwas verwunderlich find ich, daß die verfeindeten Stämme anscheinend so wenig von einander wußten, daß der begleitende Hurone seine Gefahr nicht ahnte....

31

20.08.2006, 21:36

http://www.indianerwww.de/indian/irokesen.htm

Ihr kennt soooo viel ..... doch diesen link über die Irokesen möcht ich euch nicht vorenthalten.

Hugo, da steht auch etwas über die Macht der Clan-Mütter. :D

Durus

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32

20.08.2006, 23:05

Ich versuche mal einige der vorgenannten Fragen zu beantworten:

- Nur Irokesen Menschenfresser ?

Nicht nur Irokesen aßen Menschenfleisch.
Sonnwalden führt auch noch die Huronen, Algonkin des Ostens und des Westens, Athapasken, Siouanstämme, Muskogi, Caddo, Pawnee, Texanische Küstenstämme, Comanchen, Californische Stämme, Uto-Azteken und Stämme des pazifischen Nordwestens an. Aber auch den Kannibalismus bei der Franklin-Expedition in der Arktis 1845-1848.
Wenn von Barbarei gesprochen wird, sollte man vielleicht auch daran denken, dass die Nutzung von menschlichen Bestandteilen für unsere Nahrung oder Körperhygiene auch in unserer Zeit gebräuchlich ist. (Pulverisierte Haare in Brötchen um sie schön knusprig zu bekommen, Plazenta für Kosmetika fällt mir da so spontan ein).


- "Band" heißt Stamm /Großfamilie?

Band heißt in diesem Fall Kriegerbande. Über den genauen Verlauf dieses Kriegszuges ist mir nichts bekannt.

- Waren die Irokesen nicht öfter mit den Engländern verbündet?

Die Mohawk kämpften hauptsächlich im Franzosen- und Indianerkrieg (French and Indian War) (1754-1763) auf Seiten der Engländer. Dies auf Grund des Einflusses von Sir William Johnson. Die Seneca waren hingegen durch die Familie Joncaire französisch geprägt und griffen 1763 die englischen Forts in Ihrer Umgebung an.

Im Unabhängigkeitskrieg hielten sich die Onondaga neutral, Teile der Seneca, Cayuga und Mohawk kämpften auf Seiten der Briten. Die Tuscarora und Oneida stellten sich auf die Seite der jungen Vereinigten Staaten.


- Wer war denn dieser P. Viemont?

Pater Barthelemy Vimont war ein Jesuitenpater der 1645 zu Quebec eine Abhandlung seiner Erlebnisse bei den Huronen und Irokesen verfasste.

"...daß die verfeindeten Stämme anscheinend so wenig von einander wußten, daß der begleitende Hurone seine Gefahr nicht ahnte..."

Er ahnte die Gefahr schon, aber die Huronen gingen mit ihren Gefangenen nicht besser um:

Aus: Kannibalismus bei den nordamerikanischen Indianern und Eskimo
Herman Schöppl v. Sonnwalden, Verlag für Anmerikanistik

S. 27

...Marter unterzogen. Dies deshalb, weil seine Hände von der vorausgegangenen Tortur so verstümmelt waren, daß er als neuer Krieger unbrauchbar galt. Aufgrund seiner vorhergegangenen Adoption wurde sein Schicksal von den neuen „Anverwandten" aufrichtig beklagt, vor dem Beginn der Pein wurde er gefüttert, getröstet und ihm Mut zugesprochen.
„So take courage"., rief ihm der Älteste seiner Adoptivfamilie zu „and prepare to die -tonight like a brave man!"
Trotz dieser offensichtlichen „Zuneigung" seitens der Huronen wurde der Irokese zwölf Stunden geschunden, wobei sich die einzelnen Huronen an Erfindungsgeist der Marter übertrafen. Er starb heldenhaft, sang während der Pausen und verglich sein Schicksal mit dem der bei den Irokesen adoptierten Huronen, denen solches nicht widerfahren würde. Nach seinem Tod wurde sein Körper zerstückelt, die einzelnen Teile wurden zum Verzehr verteilt. (9)
Im Jahre 1638 marterten Huronen gefangene Irokesen. Nach dem Skalpieren und dem Tod glaubten sie, ihre Tapferkeit durch das Verschlingen des gerösteten Fleisches vermehren zu können. Die Jesuitenmissionare P. de Brebeuf, von dem im folgenden noch berichtet werden wird, P. Jogues und P. Ragueneau waren Zeugen, aber offenbar hilflos. Ihre Sorge galt vor allem, daß die gefangenen und gemarterten Irokesen noch vor dem Hinscheiden die Taufe erhielten. In diesem Sinne sprachen sie ihnen auch Mut zu.
Den Oneidahäuptling Ononkweia, inzwischen auf „Peter" getauft, sparte man als letztes Opfer auf. Nach der Feuermarter entkam er kurz und wurde dann niedergeschlagen. Dann wurden seine Füße und Hände abgeschnitten und sein Körper nochmals über ein Feuer gehalten. Da sein herausströmendes Blut dieses löschte, geschah dies nochmals bei sieben weiteren Feuern. Trotzdem kroch der Irokese auf den Knien und Ellbogen gegen seine Peiniger, bis ihm ein Hurone den Kopf abschnitt. Das Blut ließen sie in einen Becher fließen, tranken es und schnitten sich verbranntes Fleisch zum Essen herunter.
Den ungeheuerlichen Mut des Neugetauften schrieben nun die Huronen den Jesuiten zu. Eine feindselig-drohende Haltung der Huronen ihnen gegenüber war die Folge, denn der unvorstellbare Widerstandsgeist des gemarterten Irokesen war ein böses Omen für die nächste kriegerische Auseinandersetzung mit dessen Stammesgenossen (10).
...

(9) La Farge
(10) Talbot


Guten Appetit und

beste Grüße von

Durus Mater

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Durus« (20.08.2006, 23:07)


33

20.08.2006, 23:27

Also ein weis ich jetzt ,leg dich nie mit Waldländern an,die Junx sind ja besser als Apachen und die waren schon gut, lach.
LISTEN TO THE ELDERS !
Dad hots fruier nit geweh !

Kiowa_Reenactor

unregistriert

34

21.08.2006, 00:12

RE: Menschenfresserei

Zitat

Original von Jela

Zitat




...Frage an die Experten hier :)wie kann man sich das Geschilderte vorstellen? - als die Gefangennahme eines Jagdtrupps - oder handelt es sich um die Überwältigung des gesamten Stamms? ("Band" heißt Stamm /Großfamilie?) Hatten die Jäger durch ihre Spuren den Irokesen den Weg zu dem Winterlager ihrer Großfamilie unbeabsichtigt gezeigt?
Weitere Frage: wie konnten die Algonkin so schnell + nahezu alle gleichzeitig gefangengenommen werden? Wohnten/schliefen sie in einem größeren Gebäude zusammen?


du hast deine frage schon richtig beantwortet,der jagdtrupp.
klar haben sie ihre spuren absichtlich dort hinterlassen,sie waren alle heiß drauf anstatt beute zu machen selbst zur beute zu werden,zumal ihnen ja klar war was passiert,lach

wenn sie auf der jagd sind haben sie sicher kein interesse ne blockhütte mitzuschleppen,kein jäger denkt einen schaukelstuhl oder ne hängematte,da wird nur das notwendigste mitgenommen.
wie stellst du dir eine jagd vor die über tage ging??

35

21.08.2006, 01:23

RE: Menschenfresserei

hallo :)
1000 Dank für eure Antworten :)
......muß nochmals wegen dem Viemont oder Vivemon fragen: *34* stammt von ihm sowie *35* (lt. Fußnote) ....fragt sich nun ob das, was dazwischen steht zu *34* gehört? denn falls nicht, wären die beiden folgenden Absätze, ab: "Einem alten Algonkin und zweien seiner Stammesgenossinnen gelang es, zu entfliehen" ziemlich zusammenhanglos angefügt.

(farbliche Kennzeichnung von mir) :D

Zitat

Original von Durus Mater
Vimont, von Parkman zitiert, schildert das traurige Ende einer Algonkinbande. Diese zog 1641 von Three Rivers zur Winterjagd los und wandte sich aus Furcht vor den Irokesen nach Norden in die Tiefen der Wälder an. die Grenzen des Ottawagebietes. Trotzdem entdeckte eine Irokesenschar - Entfernungen spielten bei Indianern nie eine Rolle - aufgrund der Schneeschuhspuren die ahnungslosen Algonkin. Um Mitternacht wurden sie überfallen und gefangengenommen.
„In wenigen Minuten waren diese alle in ihrer Gewalt. Sie knebelten die Gefangenen an Händen und Füßen, schürten das Feuer, hingen die Kessel an, zerschnitten die Körper der Erschlagenen in Stücke und kochten und verschlangen sie vor den Augen der elenden Überlebenden. Mit einem Wort, sie aßen Menschen mit so großem Appetit und mit mehr Vergnügen als Jäger einen Eber oder ein Hirsch verzehren." 34)
Einem alten Algonkin und zweien seiner Stammesgenossinnen gelang es, zu entfliehen und unter unsäglichen Mühen Three Rivers zu erreichen, wo sie den Franzosen von dem Geschehen Kunde gaben.
Auf dem Heimweg banden die Irokesen die überlebenden Kinder an hölzerne Spieße, rösteten sie langsam und verspeisten sie vor den Augen ihrer entsetzten Mütter, von denen eine sich das Leben nahm, eine andere jedoch die Flucht ergreifen konnte.
P. Viemont schilderte eingehend hierauf den Tod eines tapferen Algonkinkriegers:
„Er trotzte ihnen bis zuletzt, und als der Tod ihn befreite, rissen sie sein Herz aus dem Leibe und bereiteten aus seinen verstümmelten Gliedern ihr Triumphmahl. " 35)
Es wird auch berichtet, daß die Irokesen die zerriebenen Knochen eines neugeborenen Kindes einer Gefangenen verschluckten. 36) Der Jesuitenmissionar Peter Bressani mußte, 1644 von den Irokesen gefangen, mitansehen, wie diese sofort einen ihn begleitenden getauften Huronen, dem man den Namen Bertrand gegeben hatte, töteten, seinen Körper zerstückelten, das Herz und einige Fleischstücke rösteten und diese dann verschlangen. 37)
...

33 Parkmann
34 JR, X/229; Oswalt, 467 f.
35 Vivemont in Parkmann (3), 229; Vivemont in JR XXXVI
36 Wissler in Schöppl-Sonnwalden (1), 114
37 JR, XXVI/33, Parkmann (3), 233; Talbot, 302

Anm. von mir: JR heißt Jesuit-Relationen Travels and Explorations
of the Jesuit Missionaries in New France 1610—1791

36

21.08.2006, 01:59

Zitat


> "...daß die verfeindeten Stämme anscheinend so wenig von einander wußten, daß der begleitende Hurone seine Gefahr nicht ahnte..."

Er ahnte die Gefahr schon, aber die Huronen gingen mit ihren Gefangenen nicht besser um:


Das versteh ich nicht, denn umso mehr müßte Bertrand(?) davor zurückgewichen sein + auch sein Taufvater ihn von der Unternehmung abgehalten haben, falls er den Ausgang ahnen konnte. Er wird sich doch nicht wissentlich einer tödlichen Gefahr ausgesetzt haben? Vielleicht glaubte er, nicht (sofort?) als Hurone erkannt - sondern als Missionar wahrgenommen zu werden? Insofern er die Situation falsch einschätzte, kannte er seine verfeindeten Nachbarn (mangels Kommunikation) wahrscheinlich doch nicht besonders gut? ....wie sollte er auch .....aus dem Dorf des angrenzenden Nachbars konnte vermutlich niemand lebend zurück kommen.

lg

37

21.08.2006, 02:08

Zitat

Original von Durus Mater

Aus: Kannibalismus bei den nordamerikanischen Indianern und Eskimo
Herman Schöppl v. Sonnwalden, Verlag für Anmerikanistik

S. 27

...Marter unterzogen. Dies deshalb, weil seine Hände von der vorausgegangenen Tortur so verstümmelt waren, daß er als neuer Krieger unbrauchbar galt. Aufgrund seiner vorhergegangenen Adoption wurde sein Schicksal von den neuen „Anverwandten" aufrichtig beklagt, vor dem Beginn der Pein wurde er gefüttert, getröstet und ihm Mut zugesprochen.


... was ist denn hier voraus gegangen? wie ist das möglich, daß ein bereits Adoptierter anschließend verstümmelt + dann vollständig gemartert werden konnte?

38

21.08.2006, 02:12

Zitat

Original von Durus Mater



Guten Appetit und

beste Grüße von

Durus Mater




........danke :)
gleichfalls :D :D :D

Kiowa_Reenactor

unregistriert

39

21.08.2006, 09:33

jela
manchmal verstehe ich deine fragen nicht so ganz:

Er wird sich doch nicht wissentlich einer tödlichen Gefahr ausgesetzt haben? Vielleicht glaubte er, nicht (sofort?) als Hurone erkannt - sondern als Missionar wahrgenommen zu werden?


das leben besteht nun mal aus gefahren,ein jeder wußte das es zu kriegerischen handlungen kam wenn ein fremder in das terretorium des anderen eindringt. auch wenn missionare vorher den stamm besuchen konnten,so konnte es sein das einen monat später krieg angesagt war.

um mal kurz auf die neuzeit zu springen,in brasilien gibt es in den regenwäldern noch indianer die mit der zivilisation nix zutun haben wollen,der bericht wurde schon mehrmals im fernsehen gezeigt,irgendwas mit die letzten aufnahmen von ......... - der filmemacher wollte der sache auf die spur gehen ob die indianer dort wirklich so barbarisch sind und warum sie sich weigern sich der welt anzupassen. es wurde von anliegenden dörfern berichtet,das dieser stamm stets freundlich ist wenn sie aus dem dschungel kommen,sie schließen freundschaften mit anderen,aßen zusammen,feierten udn einen tag später wurden viele erschlagen aufgefunden.
dieses schicksal kostete auch dem filmteam das leben,der film zeigte auch wie sie den stamm fanden,wie sie feierten und tauschten,2 tage später war die hälfte des teams tod.

hugo

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40

21.08.2006, 09:55

Also ich ...

... beschäftige mich ja schon viele Jahre mit den Stämmen des Woodlandes, aber was Ihr da geschrieben habt war mir teilweise neu!
Manchmal habe ich mich gefragt ob dies wirklich so war, ob es dafür auch Beweise gibt. Ich denke das gerade die Kirche mit Ihren Pilgervätern und Missionaren übertrieben haben.
Ein Französischer Missionar empfand die Irokesen als Dämonen die geradewegs aus der Hölle kommen. Man sieht ja, das uns die Geschichte zeigt das wenn immer ein "Feidbild" gebraucht wurde die Fantasie gigantische Ausmaße annahm! Ob es bei Hitler war über die Juden und Russen, oder heute die Feindbilder der Israelis, Isbolla, USA, Iraker, Iraner und Libanesen und wie sie alle heißen! Aber vielleicht war es so wie beschrieben und die Leute die entkommen sind sprachen die Wahrheit!

Grüße von Hugo
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Oft kann man sie nicht SEHEN, aber es ist gut zu WISSEN,
dass es sie GIBT.

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